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Von Füssen und Bällen - Uni TiLt in Giessen

„Er fängt die Kugel im Flug, verlangsamt sie mit seinem Blick“ - Die Lautlichkeit der Stimme prägt den Raum - Medialisierte Ereignishaftigkeit und die Entgrenzung des Spielraumes



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GIESSEN (fsy).                                   UniTiLt – seit dem vergangenen Jahr ein neues und spannendes Veranstaltungsformat, das ganz wunderbar daherkommt und neugierig macht; und in Kooperation zwischen dem Stadttheater Giessen, dem Institut für Germanistik und dem Zentrum für Medien und Interaktivität an der Justus-Liebig Universität entstanden ist – feierte am Donnerstagabend seine 2. Auflage.








Von Füssen und Bällen - Uni TiLt in Giessen

(Foto: Frank Sygusch / Giessen-Server.de)








Auf der realen Theaterbühne im Studio im Löbershof zelebriert, aber ganz nah am wirklichen Leben werden spezielle Phänomene, der sich stetig wandelnden Gesellschaft aus verschiedenen Blickwinkeln heraus wissenschaftlich, literarisch und - mit der Lautlichkeit der Stimmen -schauspielerisch interpretiert und dem Publikum vorgeführt.







Medialisierte Ereignishaftigkeit und die Entgrenzung des Spielraumes

Stanley Matthews # 7 der Flügelstürmer über rechtsaußen

(Bild: Videoprojektion von Prof. Y. Wübben)






Diesmal war die Rede „von Füssen und Bällen – Fußball in Kultur und Wissenschaft“. Passend zum Fußballweltmeisterschaftsjahr 2010 und quasi als Giessener Auftakt ins wichtige Sportjahr begrüßten Vivica Bocks, Dramaturgin für Schauspiel am Stadttheater Giessen und Kai Bremer, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Germanistik an der Uni, die Gäste im Til und stimmten auf das Thema ein.








Wofür meine Großmutter Clara zeitlebens keine sinnhafte Erklärung fand, „warum denn 22 erwachsene Männer immer wieder und stundenlang einem Ball auf dem Spielfeld hinterherlaufen, sich gegenseitig schubsen, drücken, irgendwie weh tun und manchmal kräftig gegens Schienbein treten und dann hinterher ganz glücklich und müde sind“: gab es an diesem Abend zahlreiche Antworten und Anregungen für Kopf und Bauch.










Literaturwissenschaftlerin Prof. Yvonne Wübben

(Foto: Frank Sygusch / Giessen-Server.de)






Die Literaturwissenschaftlerin Prof. Yvonne Wübben, doppelt promoviert in Medizin und Germanistik, untersuchte das Spiel mit dem runden Leder auf dem eckigen Feld unter verschiedenen Fragestellungen aus den unterschiedlichen Bereichen der Natur- und Geisteswissenschaften. Das Symbolhafte der Teilhabe am Raum und dessen Gestaltung im Spiel und als imaginäre Arbeit am eigenen Körper und gegen die anderen in der Bewegung sind zwei der faszinierenden Aspekte der Thematik. Fußball in seiner medialisierten Ereignishaftigkeit ist Aktion mit Aufführungscharakter und theatralisches Geschehen zugleich, wenn ein Spieler sich selbst spielt, während ein anderer oder der Zuschauer aus dem ausgegrenzten Raum zusieht; oder hernach der kleine Junge mit seinen Freunden das Idol ins Selbst verkörpert und zu integrieren sucht, während wieder alle anderen mitspielen, zugleich zuschauen oder selbst jemanden zur Schau stellen.


Ob mit oder ohne Spielvorlage, kein Spiel ist von Dauer und der beidseitige Fußballkönner schlägt die besseren Pässe in die Tiefe des Raumes, weil er mit der rechten Gehirnhälfte gestaltet und mit der linken spielt. „Na dann, lasst den Ball rollen“, rufen die Radioreporter und andere Kommentatoren, die wiederum durch das Sprech-Handeln eine besondere Rolle in der Zeit-Raum-Konstellation des Fußballs einnehmen. Mit Videosequenzen untermalend erinnerte die Literaturwissenschaftlerin an Spielszenen, in denen die Idole ballsicher zaubern und die Körperbeziehungen im Raum dazu drängen das Selbst auf dem eingegrenzten Spielfeld zu entgrenzen und die Linie zu suchen, wo die Bewegung zum Tanz wird.












Petra Soltau, Irina Ries, Frerk Brockmeyer und Dominik Breuer singen die

„Hymnen über grünem Rasen“

(Fotos: Frank Sygusch / Giessen-Server.de)













Noch vor der Halbzeitpause zeigten die Mitglieder des Schauspielensembles am Giessener Stadttheater Petra Soltau, Irina Ries, Frerk Brockmeyer und Dominik Breuer dem Publikum, dass auf dem Fußballplatz in jeder Minute alles passieren kann und präsentierten „Hymnen über grünem Rasen“ und Geschichten, philosophischen Weisheiten, Legenden und Reportagen. In Trikots und kurzen Hosen gab es Zitate, Erlebnisschilderungen, Spielszenentragödien, Jubelschreie, Pausengeschwätz, Körperumarmungen, flotte Sprüche, Glaubensbekenntnisse und vieles mehr aus der Welt des Fußballs aus erster Hand.









Schriftsteller Albert Ostermaier - Torhüter der deutschen Nationalmannschaft der Autoren singt Oden auf Oliver Kahn und liest aus seinen Lyrikbänden

Foto: Frank Sygusch / Giessen-Server.de








Nach der Halbzeitpause des Abends und zu Beginn seiner Lesung gab der bekannte und erfolgreiche Schriftsteller Albert Ostermaier, der insbesondere Dramen und Lyrik verfasst, gleich mehrere Huldigungen an den ehemaligen Torhüter der deutschen Nationalmannschaft Oliver Kahn zum Besten. Wenn Olli Kahn durch die Lüfte fliegt und die Kugel fischt, bevor die im Netz landen kann, würde der Schriftsteller Albert Ostermaier gerne dazu einen Hit der Beach Boys einspielen lassen. Das passt schon wunderbar, auch wenn die Schwerkraft die Helden auf den Boden zurückholt oder mancher Ball unerreichbar bleibt. Im mutigen Flug und allen Gefahren zum Trotz passiert das Unmittelbare zwischen Himmel und Erde. Doch „der Ball kommt nie aus der Richtung, aus der man ihn erwartet“, weiß der Autor zu beschreiben, der auch autobiografisches Fußballmaterial aus seinen Kindheitserinnerungen, der Herkunftsfamilie und aus der Gegenwart als aktueller Torhüter der deutschen Nationalmannschaft der Autoren mit in seine Literaturverarbeitet.





Den Abend konnte, wer wollte und so lange „bis die Wade krampfte“ mit Tanz beschließen zur Musik, die von den beiden DJs Frerk Brockmeyer und Dominik Breuer aufgelegt wurde.







Giessen, 13. Fenruar 2010 / Beitrag und Fotos: Frank Sygusch (Giessen-Server.de)







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