Tanzstück von Tarek Assam und Mirko Hecktor
Premiere fand am Freitagabend im Theater im Löbershof statt – Ausstattung von Suse Tobisch

Kai Guzkowski und Mélodie Lasselin
(Foto: Frank Sygusch)
GIESSEN. Wer war Marlene Dietrich? Ist der Mensch hinter dem Mythos zu fassen? Diese Frage stellte sich Tarek Assam, Direktor der Giessener Tanzcompagnie, und machte daraus das gut einstündige Tanzstück "Fabelhafte Marlene“, das am 09. Februar im Theater im Löbershof (TiL) in Giessen Premiere hatte. Zur Unterstützung holte er sich zwei junge kreative Mitarbeiter: den Tänzer und Choreografen Mirko Hecktor und die Ausstatterin Suse Tobisch.

Paul Zeplichal, Kai Guzkowski und Hiroshi Wakamatsu
(Foto: Frank Sygusch)
Die Sängerin und Schauspielerin Marlene Dietrich hat an ihrer Legende selbst mitgestrickt. Sie setzte sich kompromisslos über Konventionen hinweg, genoss die Bewunderung der Männer offensichtlich und öffentlich und führte ein beide Geschlechter umfassendes Liebesleben. Der Mythos Marlene wurde von ihrer Tochter Maria Riva längst schonungslos demontiert, dennoch bleibt er spannend, erregt Neugier und Bewunderung.

Fabelhafte Marlene - Tanzcompagnie Giessen
(Foto: Frank Sygusch)
Dieses Tanzstück ist keine Nostalgietour, trotz wieder erkennbarer Elemente und Marlenes Gesang aus dem Off. Das Bestreben nach nostalgisch-naiver Erinnerung wird immer wieder durchbrochen durch harte Rhythmen, filmische Überblendungen, krasse Lichtwechsel und darstellerische Elemente. Der zeitkritische Tenor überwiegt, so sind in der Bildprojektion die im Gleichschritt tanzenden Tiller-Girls auf den Berliner Variete-Bühnen der 20er Jahre mit dem Stechschritt der Militärs in Beziehung gesetzt, das vom Bombenkrieg zerstörte Deutschland wird mit dem Begleitprogramm für die amerikanischen Truppen kontrastiert, auf das die Dietrich sich mit ungeheurem Elan einließ, doch am Ende bleiben nur die endlosen Reihen der Kreuze auf den Soldatengedenkfeldern in Erinnerung.

Die Bühnenausstattung von Suse Tobisch ist so einfach wie genial: eine dreiteilige Wand ist zugleich Projektionsfläche, Bühne und Drehtür. Die Bespannung mit einem dehnbaren Stoff ermöglicht das Durchdrücken von Körperteilen und bietet auf der Vorderseite quasi die Aufsicht auf die im Bett liegende und sich den Berührungen hingebende Frau (M. Stoyanova).

Magdalena Stoyanova
(Foto: Frank Sygusch)
Die beiden Tänzerinnen und drei Tänzer des Premierenabends zeigen beeindruckende Leistungen. Besonders Magdalena Stoyanova erweist sich als "fabelhafte" Darstellerin: sie gibt die mondäne Bühnenfigur Dietrich ebenso überzeugend wie den Eros der Liebenden und die einsame, alternde Säuferin.

Mélodie Lasselin ist hinreißend in ihrer Fröhlichkeit und Zerbrechlichkeit, als bandagierte Puppe ruft sie Mitleid und Entsetzen hervor. Die männlichen Tänzer (Kai Guzowski, Hiroshi Wakamatsu, Paul Zeplichal) geben den Background, vor dem sich das Leben der Diva entfalten kann: sie sind die eleganten Stepptänzer, die Liebhaber und die Soldaten beider Heere.

Weitere Aufführungen am 16. und 24. Februar und 03. und 10. März 2007, jeweils um 20.00 Uhr im Theater in Löbershof
Stadttheater Giessen
Fabelhafte Marlene Tanzstück von Tarek Assam und Mirko Hecktor Musik von Friedrich Hollaender, Warp, Mirko Hecktor, Udo Lindenberg, Norbert Schultze u.a.
Premiere: 09. Februar 2007 | 20.00 Uhr | TiL-Studiobühne Choreographie: Tarek Assam, Mirko Hecktor
Choreographische Assistenz: Susan McDonald Ausstattung: Suse Tobisch Videoinstallationen: Suse Tobisch, Mirko Hecktor, Tarek Assam
Tänzerinnen und Tänzer:
Méodie Lasselin / Svende Obrocki
Magdalena Stoyanova / Masami Sakurai
Kai Guzowski / Piotr Halicki
Hiroshi Wakamatsu / Piotr Halicki
Paul Zeplichal / Mathew Bindley
Giessen, 11. Februar 2007 / Text: Dagmar Klein / "Rosen für die Tänzerinnen und Tänzer zur Premiere" (aller Bilder / Tanzprobenphotos: Frank Sygusch)
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