20. Februar 2007 | 20.00 Uhr | Stadttheater Giessen, Großes Haus
Einführungsvortrag mit Musikdramaturg Christian Steinbock um 19.15 Uhr im Foyer
GIESSEN (mip/r). Im Mittelpunkt des 6. Sinfoniekonzerts steht mit Ludwig van Beethovens 6. Sinfonie – der PASTORALEN – ein Werk, das durch seine Hinwendung zur Naturhaftigkeit und durch den Ausdruck des romantischen Freiheitsideal des beginnenden 19. Jahrhunderts besticht. Zwei Werke polnischer Komponisten unterschiedlicher Epochen komplettieren schließlich ein ebenso anspruchsvolles wie abwechslungsreiches Konzertprogramm: Die als Unterhaltungsmusik konzipierte und an der polnischen Folklore orientierte KLEINE SUITE von Witold Lutoslawski und das brillant-virtuose 2. Klavierkonzert f-Moll von Frédéric Chopin. Musikdramaturg Christian Steinbock erzählt vor dem Konzert im Einführungsvortrag um 19.15 Uhr für alle Besucher Wissenswertes und Interessantes zu den Komponisten und zur Entstehungsgeschichte der Werke Ludwig van Beethoven (1770 – 1827) schrieb seine 5. und 6. Sinfonie in den Jahren 1807 und 1808 fast parallel zueinander. Beide Sinfonien sind somit Schwesterwerke, doch konnten sie kaum unterschiedlicher ausfallen. Ist erstere, die SCHICKSALSSINFONIE, von wuchtigem, heroischem Charakter, so fiel die PASTORALE weit heiterer und lieblicher aus. Sie zeigt unverkennbar die vielfach bezeugte Naturverbundenheit des Komponisten, der regelmäßige Sommeraufenthalte auf dem Land sehr zu schätzen wusste, und der hier in fast schon programmatischer Manier Gewittermusik und Vogelgezwitscher erklingen lässt. Im 19. Jahrhundert eher weniger beachtet gehört die PASTORALE heute zu den herausragenden Werken des Wiener Meisters – eine Hymne an die Natur selbst.
Es dauerte viele Jahre, bis der polnische Komponist Witold Lutoslawski (1913 – 1994) zu einer ganz eigenen musikalischen Sprache fand. Es waren die neoklassizistischen und von formaler Klarheit geprägten Arbeiten Igor Strawinskys und Béla Bartóks, die ihn inspirierten. Unter diesem Einfluss schrieb Lutoslawski 1950 auch seine KLEINE SUITE, zunächst als reine U-Musik für ein Rundfunkensemble, ein Jahre später allerdings in einer Fassung für ein Sinfonieorchester. Als Quellen dienten ihm verschiedene Themen aus der polnischen Volksmusik, die er zu einer ebenso leichten wie unpathetischen Suite miteinander verband und so eine anspruchsvolle und liebenswerte Gebrauchsmusik schuf.
Auch mit einem Kuriosum wartet das Programm des Sinfoniekonzertes auf: Wenn das 2. Klavierkonzert als solches beziffert wird, so hatte der Pole Frédéric Chopin (1810 – 1849) dieses Konzert dennoch vor seinem 1. Konzert geschrieben. Die Verdrehung der Werknummerierung resultiert daraus, dass das zweite Konzert später veröffentlich wurde. Als reines Virtuosenkonzert angelegt, behandelt es weniger das Orchester als gleichwertigen Partner, sondern stellt vielmehr die Fingerfertigkeit des Klaviervirtuosen zur Schau. Chopin selbst konnte damit stets und überall brillieren. Am Stadttheater Giessen schlägt der Pianist Piotr Paleczny u. a. mit der Mazurka im dritten Satz, diesem raschen polnischen Volkstanz, am Klavier wahre Kapriolen – ein Fest für alle Liebhaber virtuosen Musizierens.
Im Rahmen der kürzlich ins Leben gerufenen Reihe AUFTAKT erlebt das Konzertpublikum im 6. Sinfoniekonzert den Auftritt eines Überraschungssolisten der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main. Informationen zum Überraschungssolisten gibt es jedoch erst in der Pause, nach dem Auftritt.
Philharmonisches Orchester Giessen
Herbert Gietzen – Musikalische Leitung
Piotr Paleczny – Klavier
20. Februar 2007 | 20.00 Uhr | Großes Haus
Karten: 7.50 bis 23.50 Euro
Herbert Gietzen studierte in Berlin Musikwissenschaft, Komposition und Dirigieren. Als Schüler Herbert von Karajans gewann er u. a. die Bundesauswahl der Konzerte Junger Künstler im Dirigieren und den Internationalen Karajan-Dirigenten-Wettbewerb. Es folgten zahlreiche nationale und internationale Engagements als Konzertdirigent u. a. in Berlin, Essen, Toulouse, Triest und Philadelphia sowie Gastdirigate u. a. an den Opernhäusern in Frankfurt, Hannover, Nürnberg, Riga und auf den Festivals „Dei Due Mondi” in Spoleto und Charleston. Er leitete Fernseh- und Rundfunkproduktionen (u. a. ANNELIESE ROTHENBERGER STELLT VOR) und war als Dozent bei der Internationalen Sommerakademie Schloss Pommersfelden tätig. Von 1991-94 leitete er die Burgfestspiele Dreieichenhain. Am Stadttheater Giessen bekleidet er die Position des stellvertretenden Generalmusikdirektors. Eine besondere Zusammenarbeit ergab sich mit Gian Carlo Menotti, dessen Oper JUANA LA LOCA er zur Uraufführung brachte. In der vergangenen Spielzeit zeichnete er mit großem Erfolg für die musikalische Leitung von Menottis DER KONSUL in Giessen verantwortlich.
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Piotr Palenczny (Bild: Stadttheater Giessen)
Prof. Piotr Paleczny gehört zu den herausragenden Pianisten Polens. Nach seinem Studium in Warschau und nachdem er zahlreiche Wettbewerbe u. a. in München und Bordeaux gewonnen hatte, begann seine solistische Karriere, die ihn auf alle fünf Kontinente führte, u. a. in so renommierte Konzerthäuser wie die Carnegie Hall New York, das Leipziger Gewandhaus, das Teatro Colon Buenos Aires, die Tonhalle Zürich, das Concertgebouw Amsterdam, die Suntory Hall Tokio und das Salzburger Festspielhaus. Neben seiner solistischen Tätigkeit widmet er sich zudem der Ausbildung junger Pianisten am Warschauer Konservatorium. Auf dem CD-Sektor tritt er mit einer umfangreichen Diskographie in Erscheinung, vor allem mit Einspielungen Werke polnischer Komponisten wie Chopin, Lutoslawski und Szymanowski. Seit 1993 ist er Künstlerischer Direktor des Internationalen Chopin Festivals in Duszniki Zdrój, dem ältesten Festival für Klavier weltweit. Für seine herausragenden künstlerischen Leistungen wurde er mehrfach international ausgezeichnet.
Giessen, 12. Februar 2007 / Bild: Stadttheater Giessen
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