GIESSEN (mip/r). Lebensmittel gibt es in Deutschland im Überfluss. Das ist bekannt. Dass sich aber Menschen in unserer unmittelbaren Nachbarschaft und in unseren Kommunen in Notlagen befinden; finanziell unterhalb von Armutsrisikogrenzen leben müssen und oftmals zu wenig Geld haben, um „täglich für sich selbst und Familienangehörige eine warme Mahlzeit bereitzuhalten, ist weniger bekannt“, erklärte der ehemalige Landrat Willi Marx im Beisein der neuen Landrätin Anita Schneider und dem Leiter der Diakonie in Giessen, Holger Claes.

Landrätin Anita Schneider und Willi Marx, Landrat a.D. überreichen das Geldgeschenk an den Leiter der Diakonie in Giessen Holger Claes
(Foto: Giessen-Server.de)
Im Vorfeld des Amtswechsels an der Spitze der Verwaltung des Landkreises Giessen vor einigen Wochen, hatten Anita Schneider und Willi Marx bewusst auf „angedachte Geschenke“ verzichtet und stattdessen darum gebeten einen Geldbeitrag zu Gunsten der Tafeln in Stadt und Landkreis Giessen einzusetzen.
Jetzt übergaben beide dem Leiter der Diakonie in Giessen Holger Claes den stattlichen Betrag von 2185 Euro. Das ist der Erlös aus der Geschenkeidee und beide bedankten sich bei denen, die ihnen das Geld als Geschenk zur Weitergabe an die Tafeln beim Amtswechsel überreicht hatten.
Der Gesamtbetrag wird jetzt nach einem Proporz auf die Tafeln in Giessen, Grünberg und Hungen verteilt werden. Dort erhalten derzeit 2000 Personen aus knapp 900 Haushalten die Möglichkeit einmal in der Woche Lebensmittel einzukaufen. Dabei handelt es sich um qualitativ einwandfreie Nahrungsmittel, die im Wirtschaftsprozess nicht mehr verwendet werden können, und von den verschiedenen Einzel- und Großhändlern in der Region regelmäßig und kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Damit die Lebensmittel die Personen erreichen sind ständig viele ehrenamtliche und geschulte Helferinnen und Helfern in Einsätzen und erledigen eine Menge an logistischen und organisatorischen Aufgaben.
Für die Abholung sind ständig Kühllastkraftwagen unterwegs und allein „im letzten Jahr haben wir gut 9000 Euro für Treibstoff bezahlt“, erläuterte Holger Claes. „Und gerade sind wir dabei einen neuen LKW mit Kühlleistung zu bestellen, um den steigenden Bedarf an Lebensmitteln zu decken und fristgerecht abholen zu können.“
Und natürlich müssen auch die Lagermöglichkeiten vorhanden sein; und die hygienischen Standards und Vorschriften entsprechend erfüllt werden und die Ausgabestellen in den Tafeln in Giessen, Grünberg und Hungen immer mit ausreichend Personal besetzt sein. Die gesamte Arbeit und Verwaltung der Tafeln in Giessen, Grünberg und Hungen wird vollständig von den ehrenamtlichen Personen erledigt und nach internen Berechnungen fallen hierbei gut 30000 Arbeitsstunden in einem Jahr an.
Die neue Landrätin Anita Schneider und Willi Marx zeigten sich beide äußerst beeindruckt von dem hohen Engagement in den Einrichtungen der Tafeln und sehen einen Handlungsbedarf an finanzieller Unterstützung. In der Kreisverwaltung wisse man, „dass viele Personen und Haushalte trotz eigener Einkünfte aus Arbeit der zusätzlichen Unterstützung und Aufstockung bedürfen“, erklärte die Landrätin und fügte hinzu, „dass ein möglicher Ausweg aus der gesellschaftlichen Situation die Einführung von Mindestlöhnen sein muss“.
Weitere Informationen zur Giessener Tafel findet sich unter:
http://www.giessener-tafel.de
Dort kann man sich auch darüber informieren, wer zum Einkauf in der Tafel berechtigt ist und wie Personen eine Kundenkarte erhalten.
Die Tafeln sind unter der Trägerschaft des Diakonischen Werks Giessen
Gartenstr. 11 35390 Giessen
Giessen, 13. März 2010 / Foto: Giessen-Server.de
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