GIESSEN (mip/r). Eine großartige Kunstsammlung wurde in der vergangenen Woche dem Oberhessischen Museum als Schenkung übergeben. Der Schenker, der pensionierte Direktor der Universitätsbibliothek, Dr. Hermann Schüling, war anwesend. Das Oberhessische Museum erhiellt von Dr. Schüling für seine Kunstsammlung 14 Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Druckgrafiken, die, bis auf wenige Ausnahmen, zur ganz großen europäischen Kunstgeschichte zählen.
Die Objekte werden jetzt restauriert, gereinigt, neu gerahmt, die Zeichnungen und anfälligen Grafiken mit UV-Glas versehen. Die Schenkung ist so hochrangig, dass das Oberhessische Museum fast alle Arbeiten in seine Sammlung integrieren wird.
Das Spektrum der Namen weist von Belgien nach Frankreich, von Russland in die Vereinigten Staaten und selbstverständlich auch nach Deutschland mit herausragenden künstlerischen Zeugnissen.
Von einem kleinen Ölgemälde auf Holz von James Ensor (1860-1949), 1904 datiert, über eine Landschaft von Pierre Bonnard (1867-1947), über El Lissitzky (1890-1941), Man Ray (1890-1967) spannt sich ein Bogen zwischen Impressionismus und Kubismus hin zum deutschen Expressionismus und dort zu zwei ganz herausragenden Meistern, Frans Masereel (1889-1972) und HAP Grieshaber (1809-1981). Gerade das Frauenportrait von Frans Masareel ist von einer Unmittelbarkeit und Direktheit, wie man sie in vergleichbaren Frauenportraits nur noch bei Max Beckmann finden kann. Masareel war ein bedeutender Holzschneider und deswegen ist es schön und reizvoll, in HAP Grieshaber den Holzschneider Deutschlands schlechthin in der Sammlung vertreten zu haben, aber jetzt mit einem Ölgemälde (einer antiken Szene) und einer Gouache mit Öl auf Papier vom selben Künstler. Beide Arbeiten sind von 1936. Karl Ortelt (1907-1972), ist mit einem abstrakten Gemälde vertreten „Vegetative Formen“.
Neben den Ölgemälden und Collagen sind zukünftig noch herausragende Zeichnungen zu bewundern, ein bezauberndes Mädchenportrait Jean François Millet (1814-1875), das in unterschiedlichen Sammlungen von europäischem Rang gewesen ist, wie die Sammlerstempel ausweisen, - darunter Fürstentum Lichtenstein.
Max Unold (1885-1964), ein Künstler der neuen Sachlichkeit ist mit einem herrlichen Kinderportrait-Aquarell vertreten. Von Heinrich Zille (1858-1929) schenkte Herr Dr. Hermann Schüling zwei bezaubernde Kohlezeichnungen, einmal datiert 1912 „Dienstmädchen im Gespräch“ mit Nachlassstempel und eine Kohlezeichnung „Schulkinder“. Von dem Giessener Künstler Heini Vetter (1910-2003) erhielt das Museum eine großformatige Bleistiftzeichnung und von Heinrich Mathias Ernst Campendonk (1889-1957) eine Holzschnitt Druckgrafik mit dem Titel „Tiere“.
Vor allem die Millet-Zeichnung, das Ölbild von Bonnard, die beiden Grieshaber, das Frauenportrait – Öl auf Leinwand – von Frans Masareel, aber natürlich auch Man Ray, Lissitzky, Bonard und Ensor sind eine international bedeutende Bereicherung des Sammlungsguts der Universitätsstadt Giessen.
Schenkung von Dr. Hermann Schüling an das Oberhessische Museum
1 James Ensor (1860-1949), Ölgemälde auf Holz, 1904, kleinformatig
2 Pierre Bonnard (1867-1947), Ölgemälde
3 El Lissitzky (1890-1941), Collage und Gouache, 1920
4 Man Ray (1890-1976), Öl auf Leinwand
5 Frans Masereel (1889-1972), Frauenportrait, Öl auf Leinwand
6 Helmut Andreas Paul Grieshaber (1909-1981), Arbeit Öl auf Leinwand
7 Helmut Andreas Paul Grieshaber (1909-1981), Gouache
8 Karl Ortelt (1907-1972), Vegetative Formen, Ölgemälde, Mischtechnik (1969)
9 Jean François Millet (1814-1875), kleine Zeichnung
10 Max Unold (1885-1964), Kinderportrait, Aquarell
11 Heinrich Zille (1858-1929), „Dienstmädchen“, Kohlezeichnung, 1912, aus dem Nachlass
12 Heinrich Zille (1858-1929), „Schulkinder“ Kohlezeichnung
13 Heini Vetter (1907-1983), Bleistiftzeichnung (1971)
14 Heinrich Mathias Ernst Campendonk (1889-1957), „Tiere“ Druckgrafik, Holzschnitt
Giessen, 15. März 2010
Februar 2012
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