von Frank O. Docter
GIESSEN. Die Faszination für Dinosaurier ist ungebrochen. Tyrannosaurus Rex und seine Verwandten haben unzählige Fans in allen Altersstufen. Wenn vom 24. April bis 18. Juli im Rahmen der Aktion „Giganten der Urzeit“ 63 lebensechte Dinos-Modelle die Giessener Innenstadt bevölkern, werden sich jedoch die gewohnten Rollen umdrehen: dieses Mal können nämlich die Kleinen den Großen einiges beibringen. Da die Veranstalter gerne sehen würden, dass sich Kindertagesstätten, Kindergärten und Schulen mit Projekten beteiligen, besteht also für die Erwachsenen Nachholbedarf in Sachen Dinos. Daher nahmen jetzt rund 60 ErzieherInnen und etwa 70 LehrerInnen an zwei Fortbildungsveranstaltungen der Giessen Marketing GmbH und des Instituts für Biologiedidaktik der Justus-Liebig-Universität (JLU) teil.

Prof. Dr. Hans-Peter Ziemek (li.) und Sadullah Gülec, Geschäftsführer der Giessen Marketing GmbH
(Foto: Giessen-Server.de)
Institutsdirektor Prof. Hans-Peter Ziemek gab seinen Zuhörern im Biologischen Hörsaal des Uni-Hauptgebäudes einen Überblick über fast 200 Millionen Jahre Erdgeschichte. Denn so lange hatten die Urzeitgiganten unseren Planeten dominiert. „Vergessen Sie alles, was Sie über Dinos in der Schule gelernt haben“, meinte Ziemek. Die ab April zu bestaunenden Modelle beruhten aber vor allem auf Fantasievorstellungen: „Da zu wenig überliefert ist, wurden heutige Tierarten zur Rekonstruktion herangezogen.“ Dass niemand das Gegenteil beweisen könne, sei aber auch ein Vorteil, lade es doch Jung und Alt dazu ein, miteinander zu diskutieren, so der Biologe. Sadullah Gülec, Geschäftsführer der Giessen Marketing GmbH, sprach denn auch von einem „Thema für jede Generation“.
Wie sich aus dieser Vorgabe konkrete Projekte entwickeln lassen, um den von Prof. Eva Burwitz-Melzer, Erste Vizepräsidentin der JLU, in ihrer Begrüßung benannten Forscherdrang zu unterstützen, wurde dann von allen Teilnehmern diskutiert. Dabei gab Prof. Ziemek Erziehern wie Lehrern den Rat, die Kinder nicht etwa die richtige Aussprache der lateinischen Dinosaurier-Namen zu lehren, sondern vielmehr ihr allgemeines Interesse an naturwissenschaftlichen Fragestellungen zu fördern. Bezüglich der Dinos sei es aber schwierig, den Kindern die langen Zeitabschnitte von Millionen Jahren deutlich zu machen. Hier wie auch für die einzelnen ausgestellten Arten hatte er gemeinsam mit Gülec Informationsmaterialien vorbereitet, die mitgenommen werden konnten und wie weitere schon jetzt zum Herunterladen im Internet angeboten werden. Siehe dazu unten stehende Internetadresse!
Überraschend war es für viele Besucher, zu erfahren, dass unsere heutigen Vögel und Echsen von den Urzeitgiganten abstammen; das Leuner Fachgeschäft „Aqua Natura Landvogt“ präsentierte einige Exemplare wie Kanarienvögel, eine Bartagame, eine in Australien beheimatete Echsen-Art, oder ein im Aquarium schwimmendes Axolotl, einen mexikanischen Schwanzlurch. Anfangs noch mit ein wenig Abstand, trauten sich dann immer mehr Teilnehmer, diese sogar anzufassen. Die von ihnen betreuten Schützlinge hätten wohl weniger Ehrfurcht gezeigt.

Dino-Nachfahre: Der im linken Aquarium schwimmende Axolotl, ein mexikanischer Schwanzlurch, war nur eines von mehreren Tieren, das die Teilnehmer der Fortbildung zu sehen bekamen.
(Foto: Frank O. Docter)
Eine weitere Hoffnung der Organisatoren ist, dass aus den Dino-Projekten Beiträge für die „Straße der Experimente“ erwachsen, die am 30. Mai im Rahmen der Aktion „Stadt der jungen Forscher 2010“ zwischen Kirchenplatz und Botanischen Garten zum Besuch einlädt. Auch hierfür wirbt Sadullah Gülec um Ideen für Experimente.
Wer sich schon jetzt ausgiebiger über die Dinosaurier-Ausstellung informieren möchte, sollte mal einen Blick auf die dazugehörige Internetseite werfen.
Mai 2012
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