GIESSEN (fsy). Einen weiteren wichtigen Baustein auf dem Weg zu einer Stadt mit vielen dezentralen Familienzentren haben die „kompetenten Akteurinnen und Akteure“ in der vergangenen Woche in Giessen setzen können. Das große Netzwerk, das seit 2005 um das „Bündnis für Familie“ herum entstanden ist und auf den unterschiedlichen Arbeitsfeldern eine institutionalisierte Weiterentwicklung vorantreibt, hatte zur Fachtagung „Giessener Wege zu Kinder- und Familienzentren“ ins Rathaus eingeladen.

Über den Weg von Giessen zur familienfreundlichen Stadt und über die Ergebnisse der Fachtagung informierten (vo.Reihe v.li) Jutta Daum und Mechthild von Niebelschütz; (hi.Reihe v.li.) Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz, Koordinatorin Ines Müller und Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich
(Foto: Frank Sygusch / Giessen-Server.de)
Über 180 Anmeldungen zeigten „von dem großen Interesse an der Thematik und dem Prozess, der damit einhergeht. Beides hat in Giessen für ganz unterschiedliche Zielgruppen eine wichtige Bedeutung“, erklärte die Koordinatorin für Familienzentrum beim Jugendamt der Stadt Giessen Ines Müller.
Gemeinsam mit der Schirmherrin und Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz, der Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich, der Leiterin der Integrativen Montessori Kindertagesstätte Mechthild von Niebelschütz und Jutta Daum von der Universität Giessen stellte Ines Müller die Inhalte und Ergebnisse der Fachtagung der Öffentlichkeit in einem Pressegespräch vor.
Es ist die zweite Fachtagung, die das Bündnis für Familie in Giessen zur Weiterentwicklung der gesellschaftlichen Aufgaben um das Thema Familie organisiert hat. Die Fortführung der Vernetzung der Einrichtungen, die alle mit dem Thema beschäftigt sind hatte vor Jahren begonnen und kann jetzt mit dem Fokus auf die Kindertagesstätten als Ort der Kommunikation und Koordination fortgeführt werden.
Das Personal in den Beratungsstellen, die Elternvertreter, Pädagogen und Mitarbeiter in der Frühförderung, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Kindertageseinrichtungen, Vertreter der Verbände und Kirchen, Mitarbeiter der therapeutischen Einrichtungen und von der Kommunalverwaltung nutzen die Veranstaltung, um sich über das Thema und den Prozess zu informieren. „Für jede Einrichtung der insgesamt 50 Giessener Kindertageseinrichtung stellen sich gleiche, aber auch verschiedene Fragen im Zusammenhang, wie vor Ort ein Familienzentrum entstehen kann“, erklärte die Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich. „Für die einen ist der erste Schritt einen Raum freizustellen, damit sich Eltern und Erziehungsberechtigte treffen können, um sich auszutauschen; andere wünschen konkrete Betreuungsangebote, die mit Eltern gemeinsam entwickelt werden sollen und wieder andere überlegen, wie niederschwellige Beratungsangebote der verschiedenen Träger vor Ort angeboten oder ausgeweitet werden können“, berichtet Ines Müller.
Auf dem Weg zu einer „familienfreundlichen Stadt“ soll besonders darauf hin gearbeitet werden, „dass die Eltern und Erziehungsberechtigten wissen, dass sie in der Kita jederzeit willkommen sind und sich mit allen Fragen und ganz selbstverständlich an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Einrichtung wenden zu können“, erklärt Mechthild von Niebelschütz und ergänzt, dass es natürlich „keinen fertigen Masterplan, der jetzt von oben nach unter abgearbeitet werden soll sondern die unterschiedlich gewachsenen Strukturen in jeder Einrichtung, lassen eigene Wege und Möglichkeiten bei der Umsetzung. Jede Einrichtung macht das, was sich dort besonders gut entwickelt hat. Denn es gibt bereits sehr gute Angebote und die können andere Kitas kennenlernen, oder selbst wieder Anregungen an andere in der Kommunikation weitergeben“.
Es geht darum ein koordiniertes Modell für den regelmäßigen Austausch untereinander und miteinander zu finden, damit die Kitas als einzelne Institution den Rahmen und die Struktur für ein Familienzentrum abbilden und sich dahin entwickeln können. „Die Bedingungen der Möglichkeiten in Giessen dafür sind sehr gut“, weiß die OB anzumerken, „denn wir haben in Giessen viele Expertinnen und Experten, die sich auf den Weg gemacht haben, um im Kontakt und Austausch miteinander zu arbeiten und die Sache weiterzuentwickeln“.
Das Konzept, das sich als ein offener Prozess entwickeln muss, wird über die kommenden zwei Jahre von Prof. Dr. Ute Meier-Gräwe und Mitarbeiterinnen von der Giessener Universität wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Dafür brachte die Staatssekretärin Petra Müller-Klepper vom Hessischen Familienministerium zur Tagung den Bescheid über 120000 Euro mit.
Giessen, 16. März 2010 / Foto: Frank Sygusch (Giessen-Server.de)
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