von Frank Sygusch
GIESSEN. In zahlreichen Dörfern in der Giessener Region sind die Auswirkungen einer zweiten Welle des Gebäudeleerstandes angekommen; die Substanz einzelner Dörfer scheint in Gefahr und eine Wohnqualität mit ausreichender Nahversorgungsstruktur (Post, Bank, Lebensmittelladen) ist bereits jetzt nicht mehr überall vorhanden. Oftmals lebt in den großen ehemaligen Mehrgenerationenhäusern, den Hofreiten und Anwesen der ländlichen Dorfstruktur nur noch die ältere Generation, teilweise im Einpersonenhaushalt. Die Auswirkungen und Ursachen der Entwicklung sind vielfältig und mit dem Blick auf die Zukunft stellen sich für die Kommunen in der Region viele gemeinsame Fragen nach möglichen Handlungsstrategien.

DorfVision I-IV - Perspektiven für Region im Landkreis Giessen
Für die Region um Giessen haben Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Praxis die zahlreichen Fragestellungen des dörflichen Leerstandes und der generellen Problematik längst aufgegriffen und mittlerweile sind aus Ideen und Konzepten erste konkrete Förderprojekte entstanden. In einem Verein, der das Regionalmanagement koordinierend unterstützen soll und nach innen und außen ein Kommunikationsnetz entwickelt, haben sich interessierte Bürgerinnen und Bürger, Verantwortliche aus Politik und Verwaltung zusammen getan, um gemeinsam zu handeln.
Den gesellschaftlichen Wandel in der eigenen Region ein stückweit besser verstehen zu wollen, in der Regionalentwicklung versuchen eigene Impulse zu setzen und Ideen für einen Gestaltungsprozess zu entwickeln, sind einige Umschreibungen für mögliche Zielsetzungen des Vereins „Region Giessener Land“.

(v.li.) Dennis Pucher, Mercedes Bindhardt, Caroline Seibert, Dr.Angela Stender und Kurt Hillgärtner
(Foto: Frank Sygusch / Giessen-Server.de)
In einem Pressegespräch stellte in der vergangen Woche der Vorsitzende des Vereins „Region Giessener Land“, Kurt Hillgärtner gemeinsam mit dem Geschäftsführer des Vereins Dennis Pucher und Mitarbeiterin Mercedes Bindhardt, der Leiterin des Projektes „Dorfvision“ Caroline Seibert und der Sprecherin des Arbeitskreises Dordentwicklung und Lebensqualität im Giessener Land Dr. Angela Stender das Projekt „DorfVision – Perspektiven für die Region“ vor.
„Wir wollen in den vier Teilregionen des Landkreises Giessen mit mehreren Veranstaltungen für die Fragestellungen zur konkreten Umsetzung einer möglichen Dorfentwicklung sensibilisieren und ein Bewusstsein dafür schaffen“, erklärt Dennis Pucher. „Dabei geht es darum die örtlichen Besonderheiten zu erfassen, zu beschreiben und möglichst viele Interessierte und Kommunikatoren zu erreichen“.
„Die Ursachen für die zunehmenden Leerstände sind vielfältig“ und eine regionale Gesellschaftstruktur, die nur auf die Optimierung von Bevölkerungszahlen und auf die Vergrößerung der Ausweisung von Siedlungsflächen und Neubaugebieten an den reizvollen Ortsrandlagen setzt, vernachlässigt schnell eine verantwortliche Entwicklungsplanung, die alle langfristigen Faktoren berücksichtigen muss.

Kurt Hillgärtner, Bürgermeister in Rabenau an der Lumda
(Foto: Frank Sygusch / Giessen-Server.de)
Kurt Hillgärtner, selbst Bürgermeister in Rabenau an der Lumda, einem Ort im Lumdatal angrenzend an den Landkreis Marburg-Biedenkopf und den Vogelsbergkreis zwanzig Kilometer nordöstlich von Giessen, zeigt eine Karte mit den möglichen Fragestellungen auf, die in der geplanten Veranstaltungsreihe thematisiert werden sollen: „Eine Idee ist die Erarbeitung eines aktuellen Leerstandkatasters, damit die Kommunen und die Region ausreichende Informationen haben. Das ist natürlich ein sensibles Thema, aber wir möchten mit den geplanten Veranstaltungen in den vier Teilräumen des Landkreises Giessen ausführlich darauf eingehen und mit allen Interessierten darüber reden“, erklärt Hillgärtner.
Als realistische Fernziele bei der Vorstellung der Visionsschritte in den Dörfern, geht es dann um konkrete „Beratungsmöglichkeiten vor Ort in Form eines Kompetenzzentrums“, erläutert Caroline Seibert, die Leiterin des Projektes „DorfVison“. Hier sollen die Umnutzungsformen und alle damit zusammenhängenden Fragen der Finanzierung, Renovierung, Umbaumöglichkeiten, Energiefragen und vieles mehr an fallspezifischen Lösungen aufgezeigt werden.

DorfVision I von IV - Perspektiven für Region im Landkreis Giessen
Daraus könnte ein Modellprojekt entstehen, das zum Beispiel aus einer Hofreite einen neuen Lebensort der Nahversorgung durch Umnutzung als praktisches Beispiel vorstellt. Das könnte ein Treffpunkt im Ortskern sein mit Gastraum, Einkaufsmöglichkeit und integrierter Bank- und Poststelle. „Wir planen das konkrete Modellprojekt für das 2. Quartal 2011 und hoffen natürlich, dass wir viele Interessierte für das Konzept begeistern können“, merkte Dr. Angela Ständer an.
Zunächst aber bieten die Informationsveranstaltungen in den 4 Teilräumen des Landkreises die Möglichkeit, dass ausreichend über die geplanten Vorhaben im Projekt DorfVision informiert werden wird. Den Auftakt wird eine Veranstaltung Anfang Juni in Lich bilden, zu der rechtzeitig über die Medien und Kommunalverwaltungen eingeladen wird.
Weitere Informationen auf der entsprechenden Seite des Vereins
Giessen, 22. März 2010 / Fotos: Verein GiessenerLand e.V. (2) und Frank Sygusch (2) (Giessen-Server.de)
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