GIESSEN (mip/r). Die künftige Nutzung des ehemaligen „Bänninger-Geländes“ im Schiffenberger Tal stand dieser Tag im Mittelpunkt eines Gespräches zwischen den Vertretern der BIDs Giessen-aktiv, des AKH als Interessenvertretern des Giessener Innenstadt-Einzelhandels, der Investorengruppe als Eigentümer des Grundstücks und dem Magistrat der Universitätsstadt Giessen. Auf Initiative von Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz hatte sich die Runde getroffen, um über möglichst innenstadtverträgliche Nutzungen des Geländes zu sprechen. Insbesondere der Schutz des Einzelhandels in der City lag den Teilnehmern am Herzen, aus diesem Bereich war jüngst Kritik an den Bänninger-Planungen laut geworden. So war seitens der Interessenvertreter des Giessener Innenstadt-Einzelhandels besonders darauf hingewiesen worden, dass ein weiteres Mehr an Verkaufsfläche in Giessen nicht zu einem Mehr an Umsätzen führe. Bei sinkender Kaufkraft und sinkenden Umsätzen insgesamt sei die Existenz manches Einzelhändlers gefährdet, wenn noch mehr Fläche auf den Markt komme.
Vor diesem Hintergrund sei es Ziel der Runde gewesen, die verschiedenen, unterschiedlichen Positionen darzustellen und in Kenntnis der jeweiligen Notwendigkeiten zu einer einvernehmlichen Lösung zu gelangen, erklärte Grabe-Bolz. Diesem Ziel sei man mit diesem Gespräch einen Schritt näher gekommen, fasste die OB als Fazit zusammen. Grundsätzlich bleibe es bei der restriktiven Haltung der Stadt hinsichtlich der weiteren Ausweisung von Einzelhandelsflächen, so die OB. „Die Bänninger-Fläche bleibt eine Ausnahme. Es geht hier im Ziel nicht um die Schaffung weiterer Verkaufsflächen, sondern um die Sanierung einer Altlast“, sagte Grabe-Bolz. Dies dürfe jedoch nicht zu Lasten anderer gehen. „Wir haben natürlich gar nichts davon, wenn wir hier eine Brache beseitigen und an anderer Stelle Leerstände und damit andere Brachen erzeugen“, erklärte die OB die Motivation der Stadt.
Dass die Stadt selbst ein hohes Interesse an einer Neunutzung der Industriebrache hat, bekräftigte auch Stadtrat Thomas Rausch. Die vorhandenen Altlasten zu beseitigen und dem Schiffenberger Weg an dieser Stelle auch ein ansprechenderes Gesicht zu geben, sei durchaus im öffentlichen Interesse, so Rausch. Genau diese „Altlast“ erschwert jedoch die Vermarktung der Fläche. Da die Investorengruppe, die das Gelände gekauft hat, durch den Abbruch von Gebäuden und die Beseitigung der belasteten Böden einen hohen Aufwand betreiben muss, komme ein höherer Grundstückspreis zustande. Dass man diesen vorrangig nur im Bereich Handel erzielen könne, darauf machten die Investoren aufmerksam. Um möglichst wenig Innenstadt-relevante Nutzungen anzusiedeln, habe man ein neues Nutzungskonzept erstellt, so Beitlich für die Investorengruppe. Mit einer nicht innenstadtrelevanten Ausweitung des Sportsortiments im Bereich Großsportgeräte sowie Lagerhallen solle mehr als 30% der Fläche nun befüllt werden. Möglich wären u.U. auch ein kommerziell betriebenes Sportangebot sowie Dienstleister aus dem Bereich Auto.
Als Vertreter des Innenstadt-Einzelhandels wies H.J.Ebert darauf hin, dass die Flächenproduktivität des Giessener Einzelhandels durch die enormen Neuansiedlungen der letzten zehn Jahre bereits erheblich gesunken sei. Aus diesem Grund sei jede neue Einzelhandelsfläche „innenstadtrelevant“. Insbesondere die mögliche Ansiedlung eines Einkaufsmarktes sorgte bei der Vorstellung des Konzeptes für sorgenvolle Äußerungen des Innenstadthandels. Für die Investoren erfüllt dies jedoch die Funktion eines wichtigen Frequenzbringers, der für das Gebiet insgesamt wichtig sei.
Hier bestehe allerdings die Möglichkeit, durch die Begrenzung insbesondere des Non-Food-Sortiments auf die Bedürfnisse der Innenstadt Rücksicht zu nehmen, führte dazu Planungsdezernent Rausch aus. Die Vertreter des Handels bezweifelten die langfristige Wirksamkeit einer solchen Auflage.
Handel und Investoren wollen nun als Folge aus dem Gespräch gemeinsam weiter diskutieren und sich direkt über Nutzungsalternativen – auch hinsichtlich eines Ankernutzers - austauschen. „Die Stadt wird diesen Dialog konstruktiv begleiten“, versprach OB Grabe-Bolz. „Uns liegt viel an einer funktionsfähigen und lebendigen Innenstadt. Und uns liegt ebenso viel an einem Dialog, in dem alle Interessen zu Wort kommen. Das Gespräch hat gezeigt, dass man auch zu einem konstruktiven Austausch kommt, wenn die Beteiligten an einem Tisch sitzen“, so die OB abschließend. Dann würden verschiedenste Interessen auch berücksichtigt werden können.
Giessen, 31. März 2010
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