GIESSEN (mip/r). Wenn es darum geht, sich zu regulieren, Probleme zu lösen und das Bessere zu erreichen, greift die moderne, informierte Gesellschaft bereitwillig auf die Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung zurück. Ob Bildungspolitik oder der Umgang mit Gewaltbereitschaft, ob das Ringen um einen ethischen Konsens oder Geschlechterdisparitäten: Wo immer gesellschaftliche Bestrebungen Veränderungen einfordern, wird Wissenschaft bereitwillig zu Rate gezogen.
Grund genug für das Zentrum für Philosophie der Justus-Liebig-Universität Giessen, in einer öffentlichen Ringvorlesung des Collegium gissenum den Themenkomplex „Limites scientiae: Was weiß die Wissenschaft – was weiß sie nicht“ einmal näher zu beleuchten und kritische Fragen zu stellen.
Vermutlich mehr denn je berät und legitimiert Wissenschaft politische Entscheidungen und wird so zu einer gesellschaftlichen Ressource. Und dennoch: Gesellschaftliche Problemlagen scheinen sich nicht rückstandslos aufzulösen. Gewalt bleibt in großen Teilen nur schwer kontrollierbar, Moral ein mehr oder weniger subjektives und deshalb pluralistisches Unterfangen, das Bildungssystem trotz aller Anstrengungen nicht so effizient wie es sein sollte, und Ökonomie behält ihre Krisenanfälligkeit.
Es gibt offensichtlich Grenzen des Machbaren. Aber wieso eigentlich? Werden sie durch das wissenschaftlich noch nicht Gewusste, das noch nicht ausreichend Erforschte gezogen – oder eher durch außerwissenschaftliche Umstände? Was weiß die Wissenschaft – was weiß sie nicht? Was sollte sie noch wissen? Im Rahmen der vom Präsidenten der Justus-Liebig-Universität Gießen unterstützten und vom Zentrum für Philosophie organisierten Ringvorlesung des Collegium gissenum wird in sechs Vorträgen von namhaften auswärtigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern diesen Fragen nachgegangen. Insbesondere werden jene Wissenschaftsbereiche berücksichtigt, die unter besonderen Erwartungen seitens einer interessierten und kritischen Öffentlichkeit stehen.
Auftakt der Ringvorlesung am 20. April 2010 Gewaltforschung,
Prof. Dr. Harald Welzer, Kulturwissenschaftliches Institut Essen
Das weitere Programm:
04. Mai 2010 Geschlechterforschung
Prof. Dr. Doris Bischof-Köhler, Ludwig-Maximilians-Universität München
18. Mai 2010 Bewusstseinsforschung
Prof. Dr. Kai Vogeley, Zentrum für Neurologie und Psychiatrie der Universität Köln
01. Juni 2010 Bildungsforschung
Prof. Dr. Manfred Prenzel, School of Education der Technischen Universität München
15. Juni 2010 Rationalitätsforschung
Prof. Dr. Hartmut Kliemt, Frankfurt School of Finance
29. Juni 2010 Ethik
Dr. Michael Schmidt-Salomon, Giordano-Bruno-Stiftung
Die Vorträge finden jeweils dienstags um 18.15 Uhr im Margarete-Bieber-Saal, Ludwigstraße 34, 35390 Gießen, statt. Der Eintritt ist frei.
Weitere Informationen unter: www.uni-giessen.de/cms/fbz/zentren/philosophie/aktuelles/collegium-gissenum-2010
Giessen, 14. April 2010
Februar 2012
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