GIESSEN (mip/r). Drei Frauen aus drei Generationen stehen im Mittelpunkt von HARPER REGAN: Die 41jährige Titelfigur, die Tochter Sarah und die Mutter Alison. Das Schauspiel von Simon Stephens entfaltet sich dicht an der Realität. „Jede Figur, die ich ‚erfunden‘ habe, ist ein Teil von mir“, sagte der englische Autor, Jahrgang 1971, in einem Interview. Durch die Nähe zum eigenen Leben gehen seine Stücke auch dem Publikum nahe. Doch ist HARPER REGAN kein Abbild der Wirklichkeit, es zeigt eher, was Menschen für wirklich halten. Und was womöglich ganz anders ist, als sie denken.
Am Anfang steht eine schlechte Nachricht: Der Vater ist schwer erkrankt, liegt im Koma. Harper war seit zwei Jahren nicht mehr zuhause, möchte ihn unbedingt noch einmal sehen. Doch ihr Chef hat etwas dagegen. Er will der verdienten Mitarbeiterin keinen Urlaub gewähren, nicht einmal unter diesen Umständen. Harper muss sich entscheiden: geht sie ohne Erlaubnis, nimmt sie ihre Kündigung in Kauf. Arbeitet sie weiter, fällt der Abschied vom Vater aus. Verstand gegen Gefühl, Pflichtbewusstsein gegen Eigensinn, Zukunft gegen Vergangenheit. Eine Alternative ist das nicht. Es ist eine Zumutung. Dennoch reist Harper ab. Weder dem Chef noch der Familie erzählt sie davon. Als sie im Krankenhaus ankommt, ist der Vater bereits gestorben. „Ich habe ihm nie gesagt, wie lieb ich ihn hatte“, bemerkt Harper. Mit dieser Einsicht beginnt eine zweitägige Suche. Durch Begegnungen mit Fremden, einem langen Gespräch mit der Mutter, begreift Harper, was ihr im Leben wichtig ist. Zurück bei Mann und Tochter wird die Lust, zu bleiben, zur Gewissheit.
Für das Stationendrama hat Andreas Wilkens einen Raum mit beweglichen Minibühnen geschaffen, der die verschiedenen Schauplätze spielerisch entstehen lässt. Regisseur Klaus Hemmerle erzählt Harpers Aufbruch in die Vergangenheit einfühlsam und psychologisch genau.
HARPER REGAN
Schauspiel von Simon Stephens
Premiere: 24. April 2010 | 19.30 Uhr | Großes Haus im Stadttheater Giessen
Weitere Vorstellungen: 1., 8. und 15. Mai; 4., 5., 10. und 25. Juni 2010 | 19:30 Uhr | Großes Haus
Inszenierung: Klaus Hemmerle | Bühne und Kostüme: Andreas Wilkens | Mit: Anne Berg (Sarah Regan), Kyra Lippler (Harper Regan), Irina Ries (Justine Ross), Petra Soltau (Alison Wooley); Christian Fries (Elwood Barnes, James Fortune), Rainer Hustedt (Mickey Nestor), Roman Kurtz (Seth Regan), Harald Pfeiffer (Duncan Woolley), Gunnar Seidel (Tobias Rich, Mahesh Aslam)
Giessen, 21. April 2010
Februar 2012
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