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Der Revisor - Komische Oper von Werner Egk nach Nicolai W. Gogol

im Stadttheater Giessen





GIESSEN (mip/r).                                  Mitte der 1830er Jahre bekannte der russische Schriftsteller Nicolai W. Gogol: „Ich brenne danach, eine Komödie zu schreiben, und ich schwöre, sie wird lustiger sein als der Teufel.“ Und er tat es. 1836 erschien sein REVISOR als bissige Satire auf die Zustände seiner Zeit und seines Landes. Mit viel Witz und Ironie nahm er das aufs Korn, was ihn von Staatswegen her umgab: Lügen und Korruption. Mit seinem REVISOR schuf Gogol jedoch ein Werk, das keinesfalls seiner Zeit verhaftet blieb. Es überdauerte die nächsten 174 Jahre und zeigt sich auch im Jahre 2010 von erstaunlicher Brisanz. Themen wie Korruption und politische Vorteilnahme sind eben zeitlos und immer wieder hochaktuell.





Eine Kleinstadt, irgendwo in unserer Zeit: Mit Zähneklappern erwarten die dortigen Honoratioren die Ankunft eines Revisors aus der Hauptstadt, denn vom Stadthauptmann hinunter bis zum kleines Beamten hat ein jeder Dreck am Stecken. Als in Person des jungen Chlestakow ein unbekannter Mann samt Diener im Gasthaus absteigt, sind sich alle einig: Das muss besagter Revisor sein. Nun gibt es kein Halten mehr, und Chlestakow wird umgarnt, umschmeichelt, verkuppelt, gesponsert und geschmiert. Der genießt das süße Leben, das man ihm bietet, in vollen Zügen und denkt nicht im Traum daran, den Irrtum der Stadtbeamten aufzuklären. Denn ein Revisor ist er bei Leibe nicht. Vielmehr ein abgebrannter Taugenichts…




Im Auftrag des Süddeutschen Rundfunks Stuttgart destillierte der Komponist Werner Egk (1901-1983) Mitte der 1950er Jahre ein Libretto aus Gogols Komödie, deren Vielschichtigkeit in der Figurenzeichnung ihn regelrecht faszinierte: „Der tiefe Sinn für das Komische, das Begreifen des Menschlichen bis auf den Urgrund, die hinreißende Lebenswahrheit und die pralle Lebensfülle sind aber noch nicht die kostbarsten Qualitäten der Komödie. Mir scheint das Kostbarste daran zu sein, dass ihre Gestalten nicht verlorene, von uns abgetrennte, nur Gelächter und Ablehnung herausfordernde Wesen sind, sondern dass sie gleichzeitig Verständnis, Mitleid, ja sogar Sympathie erwecken.“ So vielschichtig die Vorlage, so farbenprächtig zeigt sich auch Egks Musik, die weder mit russischem Kolorit noch mit musikalischem Witz geizt. So entstand eine Oper, die – am 9. Mai 1957 bei den Schwetzinger Festspielen uraufgeführt – auch im Musiktheaterrepertoire des 21. Jahrhunderts keineswegs fehlen darf.




Regisseurin und Intendantin Cathérine Miville nimmt sich der Aktualität des Stoffes an und lässt das Werk im Hier und Jetzt, zugleich aber auch im zeitlosen und ortsungebundenen Raum spielen; denn bestochen und geschmiert wurde gestern so viel, wie es auch morgen noch der Fall sein wird. In der Partie des Chlestakow ist der kanadische Tenor Dan Chamandy zu erleben, der bereits in den vergangenen Spielzeiten in zahlreichen Partien in Giessen reüssieren konnte. Ihm zur Seite stehen, neben zahlreichen Ensemblemitgliedern, Martina Borst (Anna), Lothar Fritsch (Stadthauptmann), Patrick Simper (Kurator) und Axel Wagner (Richter), die auf internationalem Parkett bereits bestens bekannt sind. Die musikalische Leitung liegt bei Herbert Gietzen, der mittlerweile als Spezialist für selten gespielte Werke bzw. für Opernausgrabungen gilt. Für Bühne und Kostüme zeichnet Lukas Noll verantwortlich. Unterstützt wird die Inszenierung durch Choreographien des Electric Dance Theatre aus Frankfurt am Main. Live übertragen wir die Premiere in den Hörfunkprogrammen hr2-kultur und Deutschlandradio.









DER REVISOR





Komische Oper von Werner Egk nach Nicolai W. Gogol





Premiere: 16. Mai 2010 | 19.30 Uhr | Großes Haus





Live-Übertragung der Premiere in den Hörfunkprogrammen hr2-kultur und Deutschland Radio





Musikalische Leitung: Herbert Gietzen | Inszenierung: Cathérine Miville | Bühne und Kostüme: Lukas Noll | Licht: Christopher Moos | Choreographien: Electric Dance Theatre




Mit: Martina Borst (Anna), Henrietta Hugenholtz (Die Frau des Schlossers), Carla Maffioletti (Marja), Odilia Vandercruysse (Eine junge Witwe); Stephan Bootz (Ossip), Dan Chamandy (Chlestakow), Peter Paul (Stadthauptmann), Alexander Herzog (Bobtschinskij), Matthias Ludwig (Dobtschinskij), Christian Richter (Mischka), August Schram (Postmeister), Patrick Simper (Kurator), Axel Wagner (Richter); Electric Dance Theatre





Philharmonisches Orchester Giessen







Giessen, 10. Mai 2010



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