GIESSEN / FRIEDBERG (mip/r). In der Industrie- und Handelskammer (IHK) Giessen-Friedberg diskutierten rund zwei Duzend Fachleute unter der Moderation des Verkehrsexperten Prof. Dr. Gerd Aberle über Möglichkeiten des schienengebundenen Warentransports. „Hat der kombinierte Verkehr in Mittelhessen eine Chance ?“ war die zentrale Fragestellung an diesem Nachmittag.
Schienengüterverkehr gewinnt europaweit an Bedeutung
Einen Überblick zum Thema gab Prof. Aberle zu Beginn der Veranstaltung: „Der Schienengüterverkehr gewinnt europaweit an Bedeutung. Die Ursachen hierfür sind vor allem die steigenden Energiepreise und die zunehmenden Anforderungen der Umweltpolitik, insbesondere die Reduzierung der CO2 Emission“. Er stellte fest, dass die EU-Verkehrspolitik kontinuierlich die Rahmenbedingungen für Verkehrsträger verschärft, um vor allem Langstrecken-Transporte auf die Schiene und die Wasserstraßen zu verlagern. Hierzu zählt neben den Mautkosten vor allem die Anlastung von externen Kosten im Straßengüterverkehr. Auch ist davon auszugehen, dass die Energiepreise, vor allem für Ölprodukte, bereits mittelfristig erheblich ansteigen werden. „Der Schienenverkehr weist deutliche energetische und klimarelevante Vorteile gegenüber dem Straßengüterverkehr auf, sofern bestimmte Voraussetzungen bei den Transportaufgaben erfüllt sind. Damit gewinnt die Verfügbarkeit von Umschlagsmöglichkeiten für den kombinierten Verkehr mit Containern und Wechselaufbauten sowie von Gleisanschlüssen mittel- bis längerfristig erheblich an standortpolitischer Bedeutung. Das gilt auch für den Raum Mittelhessen, um seine logistische Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten“, so Aberle in seinen Ausführungen.
"Ohne Schiene läuft nichts"
Sven Schicht von der Railistics GmbH aus Wiesbaden berichtete anschließend über die von der Stadt Giessen in Auftrag gegebene Potentialuntersuchung für ein KV-Terminal (kombinierter Verkehr) in Giessen. Das Ergebnis zeigt, dass ein nicht zu vernachlässigendes Potential an Unternehmen Interesse am kombinierten Verkehr in Mittelhessen hat. Michael Lückenbach von der Contargo GmbH & Co. KG aus Ludwigshafen zeigte eindrucksvoll anhand langjähriger praktischer Erfahrungen auf, wie sinnvoll der Transport von Waren auf der Schiene und dem Asphalt sein kann. „Ohne Schiene läuft bei uns nichts“, so Andreas Lynker von den Didier Werken in Staufenberg-Mainzlar. Er überzeugte die Anwesenden davon, wie erfolgreich ein vorhandener Gleisanschluss genutzt werden kann.
Ein Ziel der IHK-Veranstaltung war die Gründung eines Arbeitskreises „Schienenverkehrslogistik“. Interessierte Unternehmer können sich an die IHK Giessen-Friedberg wenden. Ihr Ansprechpartner ist Erhard Krug, Tel. 06031 / 609-2010, krug@giessen-friedberg.ihk.de.
Giessen, 10. Juni 2010
Februar 2012
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