GIESSEN (mip/r). Die Fotoausstellung im Weinkontor Pfeffermann zeigt seit gestern zahlreiche Bilddokumente der Arbeit von Claus Bühler aus den letzten 25 Jahren, beginnend mit Bildern aus der Sahara, die bereits eine frühe Ahnung von Bühlers späterer Arbeit mit Naturperformance-Projekten darstellen.

Den Schwerpunkt bilden Aufnahmen von Workshops in Spanien, Italien und dem heimischen Wald; es sind Körperinszenierungen an Naturplätzen, die teilweise mit Körperfarben oder Material aus der Umgebung gestaltet wurden. Daneben sind Naturaufnahmen zu sehen: Ölbäume oder Wasser- und Wolkenspiele, die Inspirationen zum Tanz liefern, oder einfach nur genussvoll zu betrachten sind.
WÜSTEN AKTE
1980/81 unternahm Bühler seine zweite große Sahara-Reise. Mit dem Auto fuhren er mit seiner Lebenspartnerin von Tunis durch Algerien, das Hoggar-Gebirge in der zentralen Sahara, weiter nach Niger, Benin und schließlich Togo.
Die Sahara bietet eindrucksvolle Landschaften, bei denen gleichsam das Skelett der Erde sichtbar wird, welches in unseren Breiten durch eine dicke Haut von Vegetation bedeckt ist.
Ihn animierte diese menschenleere Landschaft, sich unbekleidet zu bewegen, und so entstanden die „Wüstenakte“ aus der Situation heraus, mehr oder weniger ungeplant.

Jahre später empfand er die Aufnahmen wie eine frühe Vorausahnung meiner heutigen Projekte in der Natur.

Die Fotos entstanden in der Gegend nördlich von Tamanrasset, sowie kurz vor der Grenze zwischen Algerien und Niger.
TANZ IN DER NATUR
bedeutet, über alle Sinne und über Bewegung mit der Natur in Kontakt zu kommen.
Gräser im Wind, die Formen der Felsen, Sonnenwärme, das Rauschen des Meeres oder das Gurgeln eines Baches inspirieren zu Bewegung und Tanz und lassen auf diese Weise innere Bilder und Assoziationen entstehen. Durch verschiedene Techniken, z.B. durch Schreiben oder durch das Malen von Selbstportraits werden sie zu größerer Klarheit gebracht.
Feldenkrais-Lektionen und vielfältige Übungen bereiten auf diese Arbeit vor, indem sie alle Kanäle für Wahrnehmungen und Möglichkeiten außerhalb der eingespielten und gewohnten Bewegungsmuster und Handlungsroutinen öffnen.
Diese intensive Auseinandersetzung mit dem gewählten Platz mündet schließlich in einer Gestaltung. Häufig ist dies ein Tanz oder eine Bewegungssequenz, oft in Verbindung mit Texten oder Gedichten, die während der Erarbeitung entstanden sind. Oder eine Selbstinszenierung in Form eines Stillebens, bei dem Körperfarben oder Material aus der Umgebung zum Einsatz kommen.
Tanz in der Natur ist eine intensive Selbsterfahrung, die oft ungeahnte Kräfte und Kreativität freisetzt, die im Alltag weiter wirken.

SANDGEBOREN
im Herbst 1997 nahm Claus Bühler an einem Workshop professioneller TänzerInnen und KünstlerInnen in Sea Ranch an der Pazifikküste im nördlichen Kalifornien teil.
Geleitet wurde der Workshop von Anna Halprin, einer großartigen, heute über 85-jährigen amerikanischen Tänzerin, die mit den beiden höchsten Auszeichnungen des American Dance Festival (als Künstlerin und Lehrerin) geehrt wurde. Von ihr stammt u.a. das „Movement Ritual“, eine Yoga ähnliche Bewegungsfolge, welche Elemente von modernem Tanztraining mit intensiver Körperwahrnehmung und einem Gespür für den Bewegungsfluss verbindet.
Vor allem aber entwickelte Anna Halprin eine Methode, wie Performances strukturiert werden (auch zur heilenden Arbeit mit Krebspatienten und Aidskranken), und sie nutzt bis heute die Natur als Tanzraum und Bühne.
Anna Halprin ist für Claus Bühler eine der wichtigsten Lehrerinnen im Neuen Tanz. Sie inspirierte ihn zu den inzwischen vielfältigen eigenen Workshops zum Thema „Tanz in der Natur“, die den zentralen Teil dieser Ausstellung bilden.
An Ostern 1998 bot Claus Bühler in Andalusien, wo er schon Jahre zuvor regelmäßig Ferienworkshops durchgeführt hatte, sein erstes Seminar „Tanz in der Natur“ an.
Dort entstand das Stück „Sandgeboren“, das durch diese Bilderserie dokumentiert wird. Fotografin war Stephanie Lützen, Freiburg.

Ausstellungseröffnung
DEEP NATURE
Am 31.August / 01. September 2002 fand im Rahmen des Mittelhessischen Kultursommers im Wald unter dem Kloster Schiffenberg bei Giessen eine Tanzperformance von mehreren Tänzerinnen und Tänzern unter der Leitung von Claus Bühler und G. Hoffman-Soto statt.
Zuschauergruppen wurden von „Reiseleitern“ durch den Wald geführt zu den verschiedenen Plätzen, an denen die Künstler und Künstlerinnen ihre Darbietungen gaben. Inspiriert durch die Gegebenheiten und die Atmosphäre der ausgewählten, besonderen Plätze im Wald, zeigten sie ihre Ideen zu einem „Tanz in der Natur“, die sie in gemeinsamer Arbeit entwickelt hatten.
Die Beteiligten kamen aus der gesamten Bundesrepublik, sowie Brasilien und den USA.

Ausstellungseröffnung
ÖLBÄUME AM GARDASEE
Seit Jahren bewohnt Claus Bühler im Sommer ein kleines Häuschen oberhalb des Gardasees an seinem Westufer. Das Grundstück liegt inmitten eines verwilderten Olivenhains auf mehrere Terrassen verteilt am Ende eines Weges, und es wird auf der anderen Seite durch eine tiefe Schlucht begrenzt.
Das Landschaftsbild zeigt den Blick von der Wiese vor dem Haus auf den Ort Gargnano und den See.
Die Vielgestaltigkeit der Ölbäume hat Bühler immer schon fasziniert. Fast alle Stämme haben skurrile Formen undWindungen und bieten oft einen „Durchblick“. Dies machte er sich zu einem fotografischen Thema.
Gleichzeitig reifte der Entschluss, mit den Bäumen und den vielfältigen Möglichkeiten dieser schönen Landschaft zu arbeiten. Inzwischen fanden dort mehrere Workshops zum Thema „Tanz in der Natur“ statt. Zwei Bilder der Serie zeigen „bewohnte“ Ölbäume.

Zur Vernissage gab es die Möglichkeit zahlreiche Weine zu kosten, die Patricia Versen (Mi.) vorstellte
WASSER UND WOLKEN
ergänzen die Ausstellung durch Motive, die er oft während der Workshops entdeckte. Darunter ist ein Motiv winziger, fein gezeichneter Meeresschnecken in einer Hand, für ihn ein Symbol für Feinfühligkeit.
CLAUS BÜHLER arbeitet in Giessen als Feldenkrais-Lehrer, Heilpraktiker(Psychotherapie), Tänzer.
Er studierte Sportwissenschaften mit dem Schwerpunkt Tanz. Seit über 25 Jahren unterrichtet er Körperwahrnehmung, Ausdruckstanz /Kontakt-Improvisation und Kampfkünste. Dabei gilt sein Hauptinteresse der Achtsamkeit auf den Körper als Voraussetzung für die Entwicklung einer reifen und kreativen Persönlichkeit. Ergänzend zu seiner Unterrichtstätigkeit entwickelte er mehrere Bühnenprojekte, so z.B. die Tanz- und Klangperformance „DEEP NATURE“ – im Rahmen des Mittelhessischen Kultursommers 2002 beim Kloster Schiffenberg, oder Auftritte u.a. bei den Giessener Hardthoffesten. Claus Bühler unterrichtet Freien Tanz (New Dance).
Nach der Begrüßung durch Patricia Versen vom Weinkontor Pfeffermann sprach zur Eröffnung der Ausstellung Klaus Ernst, Diplompsychologe und stellvertretender Leiter der JVA Wiesbaden.

Klaus Ernst (Bild: Giessen-Server.de)
Anschliessend begeisterte Ingo Böhme, Konstrukteur vieler innovativer Klanginstrumente (Boing, Heuchelheim), die zahlreichen Besucher der Vernissage mit Klängen von Kalimba, Steeldrum und verschiedenen Gongs.


Giessen, 10. März 2007 / alle Bilder von der Ausstellungseröffnung: Frank Sygusch (Giessen-Server.de)
Mai 2012
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