Ungewöhnlich, bunt und erfrischend – Erwartung und Konfusion gebündelt - „Das-LEBEN-ist-eine-Blase“ Club gegründet
GIESSEN (fsy). Am späten Samstagnachmittag eröffnete der Neue Kunstverein Giessen mit dem „KOSMOS KIOSK seine aktuelle Ausstellung. 37 Künstlerinnen und Künstler - darunter Einzelkünstler/innen, Künstlerpaare und Projekte – präsentieren auf engstem Raum und bunt verdichtet eine ideenreiche Pallette zum Thema Kiosk. Als „Kiosk-Toilettenanlage“ in den 30-ger Jahren - direkt an den Mauern des Giessener Friedhofs am Rande der Stadt entstanden - birgt der historische Ort heutzutage Ansporn zur Aufbereitung und Aufarbeitung für die Auseinandersetzung mit dem sozialen Gedächtnis einer Stadtgesellschaft und dem Vermögen zur politischen Kultur.

Gruppenausstellung KOSMOS Kiosk in Giessen ist eröffnet
(Fotos: Frank Sygusch / Giessen-Server.de)

Gruppenausstellung KOSMOS Kiosk in Giessen ist eröffnet
(Fotos: Frank Sygusch / Giessen-Server.de)

Seit einigen Jahren wird der historische Raum als Ausstellungsort des Neuen Giessener Kunstvereins genutzt und bietet beste Arbeitsbedingungen für das intuitive Denken: ein ständiger Krach- und Geräuschkulissenpegel erzeugt von unzähligen vorbei sausenden Automobilen an einer typisch urbanen und viel befahrenen Strassenecke.

Gruppenausstellung KOSMOS Kiosk in Giessen ist eröffnet
(Fotos: Frank Sygusch / Giessen-Server.de)

Den eingeladenen Künstlerinnen und Künstlern gelingt es – trotz Raumnot und viel Krach – die besonderen Blickwinkel und Bedeutungen von Gestaltungsrezeptionen im persönlichen und besonderen Betrachtungskontext frei zu legen. Besonders die Möglichkeit der totalen Perspektive und die Bedingungen für flüchtige Gedanken erlaubt der gestaltete Ausstellungsraum, und das passt blendend zur aktuellen Ausstellung „KOSMOS KIOSK“.

Gruppenausstellung KOSMOS Kiosk in Giessen ist eröffnet
(Fotos: Frank Sygusch / Giessen-Server.de)

Es ist die erste Gruppenausstellung und zahlreiche der Künstlerinnen und Künstler waren am Samstag anwesend. Im Ausstellungsraum selbst gibt es diesmal außerordentlich viel zu sehen und eine Performance von Fredie Beckmans (Amsterdam) hauchte der ganzen Veranstaltung ein ordentliches Maß an Schwingungen ein. Ingke Günther begrüßte und dankte; Jörg Wagner führte ein in die Ausstellungsidee und das weltweite Kiosk-Netzwerk und beide hatten einen riesengroßen Anteil am kuratorischen Zustandekommen des ganzen Konzeptes. In der Werkliste finden sich alle Künstlerinnen und Künstler.
WERKLISTE KOSMOS Kiosk in Giessen
Fredie Beckmans (Amsterdam),
Performance: „Ich verkaufe lieber, als dass ich Geld verdiene”
Karin Bergdoldt (Nürnberg),
„Guanz“ (Mongolischer Kiosk), „Hotelkiosk“ (Mongolei), Fotografien, 2003
Reisetagebuch, Ausschnitt aus „Nomadische Perspektive“, 2003
Hannah Bohrisch (Giessen),
Frühschoppen am Kioski/Kioske
Simon & Tom Bloor (London u. Birmingham),
Poster Kiosk Design
Daniel Bräg (München),
„Obstkiste“, aus dem Projekt „Pomologie“, 1998
Michael Dörner (Halstenbek),
„Schlepper“, Fruchtgummi, Leuchtbox mit Haube, Auflage 10, 2010
Herr Fleischer e.V. (Halle/Saale),
„Brief von Herrn Fleischer“, 2010 / Postkarte / Ansteckwurst
Oliver Gather/Anne Mommertz (Düsseldorf),
A&O-Postkarten „Büdchen“ und „Taube“
Dokumentation der A&O-Aktion
Wiebke Grötsch/Frank Metzger (Offenbach),
Performance „News from home“
3 Fotografien, Dokumentation der Aktion in Frankfurt/M.
Ingke Günther (Giessen),
„Kioskphänomenologie“, Poster, 2010
„Kleine Kioskwissenschaft“, Objektkasten, 2010
Gabriele Horndasch (Düsseldorf),
„Abendstern“, Signbowl auf Sockel, 2009
Joung-en Huh (Düsseldorf),
„Haus von Gunten“, Fotografie der Installation, 2005
San Keller (Zürich),
wöchentliche Poster zur Kiosk-Aktion in Zürich
Andrea Knobloch (Düsseldorf),
„Zitronenhäuschen“, Modell, 2009
Aktion: „Ein orientalischer Abend“ (mit Silke Riechert)
Katrin Korfmann (Amsterdam),
„Flatten Image“, Videoarbeit zur temporäre Installation (Berlin / Hansaplatz), 2005
Karoline Leitermann (Halle/Saale),
Kiosk-Fähnchen, 2010
Marko Lehanka (Nürnberg),
Gravierte Bierflaschen, 1991-2000
Schnitzelschild, 2000
Bierdosenmosaik, 2010
Monika Linhard (Frankfurt/M),
„Von Luxemburg nach Sibiu“, Drei Remittenden aus dem Projekt „Von Land zu Land“, 2006
„mapping“, Dokumentation in Form von Landkarten des Reiseprojektes „Von Land zu Land“, work in progress, seit 2004
„Cupa Chups“, 2010
Tine Luhn (Hamburg),
„Tag ein”, „Tag aus”, Leuchtkästen, 2004
Tilmann Meyer-Faje (Amsterdam),
„K67 in Filet Américain“, Beton-Kioskmodelle, 2010
Eva Hertzsch und Adam Page (Berlin),
Dokumentation: Info Offspring Kiosk, an unterschiedlichen Orten in Dresden, 2000-2006
Grundrisse von Kiosken in Dresden, 2000
Buch „FOR SALE“, Postkartenreihe „FOR SALE“
Projekt Kioskisierung (Berlin),
29 Kioskmonografien, Publikation „Kioskisierung“
Katja v. Puttkamer (Ingelheim),
Kioske, 5 Gouachen, 2009/10
Silke Riechert (Berlin),
Aktion: „Ein orientalischer Abend“ (mit Andrea Knobloch)
Inge Roseboom / Mark Weemen (Amsterdam),
„WURST“, Leuchtkasten und Tonwürstchen, 2005
Judith Samen (Düsseldorf),
Frittentüten und Dokumentation „Fritten”, 2002
Harri Schemm (Nürnberg),
Performance: Der chinesische Kiosk
Nada Sebestyén (Berlin),
2 Fotos aus der Serie „Häuser, Arbeit, Landschaft“, 1997-2002
Martin Starl (Frankfurt/M.),
4 Fotos aus der Serie „Frankfurter Wasserhäuschen“, 1999-2001
Thomas Rentmeister (Berlin),
„Twixx“, 1 / 4, 2010
Felix Ruffert + KKKiosk (Weimar),
Modell KKKiosk Weimar und „Guckis“, 2010
Wolf D. Schreiber (Giessen),
„Schwarze Pixel Weiße Pixel“, Quartett, 2010
Ina Weber (Berlin),
„LOTTO“, Lampion für den Neuen Kunstverein Giessen, 2010
Julia Wenz (Stuttgart),
„Buddha“, aus der Reihe „Déplacement“, 2006
Jörg Wagner (Giessen),
„Bremen/Giessen“, Lichtkasten und Leuchte, 2010
Medienprojekt Wuppertal e.V.,
Postkarte „Wuppertal kackt ab“
Editionen
Monika Linhard
„ESS PAPIER“,
Esspapier, Erdbeergeschmack, Auflage 30, 2010 7.03 €
Wolf D. Schreiber
„Schwarze Pixel Weiße Pixel“,
Quartett, on demand, 2010 15.- €
Oliver Gather / Anne Mommertz
„A&O-Postkarten“,
„Büdchen“ 30 Stück, „Taube“ 20 Stück 2.- €
Ingke Günther
„Kioskphänomenologie“,
Poster, 2010 2.- €
Herr Fleischer e.V.
„Würstchen“
Anstecknadeln, on demand, 2010 8.- €
Postkarten
Julia Wenz, 4 Motive 1.- €
Günther/Wagner 1.- €
Medienprojekt Wuppertal e.V. 1.- €
KCMO e.V. 1.- €
Herr Fleischer e.V. 1.- €
Marko Lehanka, Bierflaschen 1.- €
Weitere Preise auf Anfrage!
Die „Guckis ermöglichen die wahrhaftige Außenperspektive des eigenen Blickes nach innen gerichtet auf kleine urbane Bildwelten und das gleich mehrfach. Die vielen Würste mit zwei Enden zeigen in alle Himmelsrichtungen des Kosmos: sieht man es allzu menschlich, also hauptsächlich nach unten und oben. Und die auffaltbaren Papier-Mappen mit den unterschiedlichsten Themen zu urbanen Mikrowelten knistern so schön, dass man vergißt, wo man gerade steht. Der „Schlepper“ aus Fruchtgummi unter der Leuchtbox schaut so lecker aus, so dass man ihn geradezu einverleiben möchte. Das getraut man sich aber dann doch nicht: zu heilig wirkt die Aura des bunten Schleppers und seine Farben leuchten durch das Glas der Box von innen nach außen mit kräftigen Strahlen. „News from Home“ ist, wenn in Giessen das kommunale Ordnungsamt der Stadt es nicht erlaubt, was anderswo eine Selbstverständlichkeit ist: Eine Performance von Künstlern im öffentlichen Stadtraum mit realen Objekten. Ein schlichter Verkauf von Zeitungen aus dem Ausland und am ortsnahen Straßenrand von einheimischen Migranten an neugierige Passanten und Autofahreinnen und -fahrer als medialisierte Erinnerung an die Heimat. „Da ist aber das letzte Wort vielleicht noch nicht gesprochen“, fügte Jörg Wagner vom Neuen Kunstverein aus Giessen an, der das Verhalten des Giessener Amtes öffentlich kritisierte. Vielleicht klappt es am 09. Juli, wie nochmals angekündigt.

„News from Home“
Sicher, das spannende Thema Kiosk hat schon Soziologen, Ethnologen, Schriftsteller und andere Nachdenker aufs intensivste beschäftigt. Doch die Variante, der im Giessener Stadtraum gezeigten Position mit 37 Künstlerinnen und Künstlern ist erfrischend: Erwartung und Konfusion treffen bunt aufeinander: der kleine Raum wird zur Bühne, und die Lautlichkeit der Stimmen prägt den Ort. Was nun? Am 09. Juli geht es weiter …
Gesellige und informative Kiosk-Abende, Performances sowie Führungen durch die Giessener Kiosklandschaft erweitern den kommunikativen Rahmen von KOSMOS KIOSK und möchten den Kunstverein über den Sommer zu einem festen Treffpunkt für Kunst- und Kioskinteressierte machen.
Zur Verwirklichung dieser Ausstellung konnte der Kunstverein auf ein breites Netzwerk an kiosk-interessierten Kulturschaffenden zurückgreifen, die zum Großteil im 1.KCMO 06, dem weltweit ersten Kioskclub, organisiert sind. Der 1. KCMO 06 hat seinen Sitz im Museum Ostwall im Dortmunder U und wurde im Rahmen der Ausstellung "WM-Erfrischungspavillon ...zu Gast bei Freunden" gegründet. Ziel des Vereins ist die Erforschung und Pflege der Kioskkultur weltweit, sowie die Vernetzung aller Personen und Gruppen, die sich dem Thema „Kiosk“ interessiert, forschend und gestaltend widmen (www.kcmo.de).
KOSMOS KIOSK – 12. Juni bis 21. August 2010
Öffnungszeiten: Mi. 16.00 bis 19.00 Uhr; Sa 14.00 bis 17.00 Uhr u.n.V.
Weitere Termine zum Begleitprogramm von KOSMOS KIOSK unter:
www.kunstverein-giesen.de
Giessen, 14. Juni 2010 / Filmbeitrag und Fotos: Frank Sygusch (Giessen-Server.de)
Februar 2012
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