
Andrea Malkmus
Ihrer aktuelle Ausstellung, in der die Künstlerin mit einem besonders interessanten graphischen Druckverfahren aufwartet, steht unter dem Thema Wechselblick. Was passiert eigentlich, wenn nach außen und innen gerichtete Projektionen entstehen, die vom Betrachtungswinkel abhängig und vielfach gebrochen und verstärkt werden? Wechselt der Blick die Richtung, wenn sich das Kunstwerk dreht, oder dreht sich das Kunstwerk, weil der Blick hin und her wechselt? Macht die Projektion etwas mit mir, oder projeziere ich ohne zu wissen, damit der Blick auf mich ausgehalten werden kann? Wieviel Wahrnehmungsebenen braucht ein Kunstwerk, damit mein Blick es trifft?
Andrea Malkmus nutzt als Projektionsflächen graphisch doppelseitig bedruckte weiße Flächen von fast 3 Metern chinesischem Rollenpapier, die an der Decke des Raumes befestigt sind.

Von einem Projektor werden rhythmische Bilder per Videoprojektion auf die Kunstwerkleinwände projektiert. Das Projektionslicht wird von einem Soundtrack begleitet und verformt den Raum in ein audiovisuelles Wanderstudio. Denn die Besucher der Ausstellung können sich frei zwischen dem/n Kunstwerk(en) im Raum bewegen und werden selbst mitintegriert in den Wechselvorgang der Betrachtung und Wahrnehmung. Und wenn ein Ausstellungsbesucher das Objekt betrachtet, dann kann es passieren, dass der Betrachter den Schatten einer anderen person im Wechselblick wahrnimmt und glaubt aber zunächst sich selbst zu erleben.

Als Betrachter ertappe ich mich beim erfolglosen Versuch die Bilder und Zeichen auf der Leinwand zu entziffern. Und irgendetwas wird dabei mit mir gemacht, wenn ich versuche das Objekt wahrzunehmen. Und weil das so ist, richtet sich mein Blick weg von der Projektionsfläche.
Dann nehme ich tatsächlich die Schatten-Konturen einer Person schräg gegenüber, hinter dem zweiten doppelseitigen Druck, wahr: „Was war noch mal auf dem Rollenpapier aufgedruckt und wieso verschwindet die Silhouette hinter dem Kunstwerk eigentlich nicht?“
„Ach so, es gehört zum Kunstwerk“, dem Wechselspiel zwischen dem Betrachten und der Betrachtung.

Das Atelier 115 eignet sich hervorragend für Ausstellungen und die Besucher fühlten sich an diesem Vernissageabend wohl und genossen den Wechselblick, das Essen und die Getränke.

Der Ausstellung sind viele Besucher zu wünschen; mindestens immer zwei sollten sich das Vergnügen gleichzeitig gönnen.

Giessen, 12. März 2007 / alle Bilder der Ausstellungseröffnung: Frank Sygusch (Giessen-Server.de)
Mai 2012
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