GIESSEN (mip/r). "Die Spielzeit 2009/2010 am Stadttheater Giessen ist zu Ende.UNGESCHLIFFEN ZART war das Motto der abgelaufenen Theatersaison. Leise Töne und emotionale Rufe hallten über die Bühnen; stürmisch ging es zu, romantisch, rau, zärtlich und kraftvoll – oft auch gleichzeitig. Besucherinnen und Besucher dankten es dem Stadttheater. So konnte die selbst gesetzte Marke von 100.000 Karten wieder um über 10.000 überschritten werden. Es zeigte sich erneut, wie sehr das Gießener Publikum bereit ist, sich auf die angebotene Vielfalt an Spielweisen, ästhetischen Umsetzungen und thematischen Auseinandersetzungen einzulassen", so in einer abschliessenden Pressemitteilung des Theaters.

Stadttheater Giessen im Sommer 2010
(Foto: Frank Sygusch / Giessen-Server.de)
"Um große Gefühle ging es im Musiktheater, ob mit selten gespielten Raritäten wie Donizettis LA FAVORITA und Egks satirisch-komischer Oper DER REVISOR oder dem Klassiker DIE ZAUBERFLÖTE. Konzertante Aufführungen ließen die Zuhörer genauso wenig kalt wie die Phantastische Oper oder das verwunschene Musical. So bescherte das Musiktheater dem Haus lauter ausverkaufte Vorstellungen, die von der Kritik genauso gefeiert wurden wie die zehn abwechslungsreiche Sinfoniekonzerte mit dem Philharmonischen Orchester, die zahlreiche Kammerkonzerte und die vielen Sonderveranstaltungen.
Das Stadttheater Giessen hat mit seinen Produktionen unbekannter Werke auch Neuland betreten und die Zuschauerinnen und Zuschauer auf glattes Terrain geführt. Ein Eklat um das Neujahrskonzert mit Dada-Kunst und Empörung über John Cages 4.33 Minuten lange Stille sorgte für wochenlangen Austausch auf den Leserseiten der Lokalpresse. Doch das Giessener Publikum ist treu, streitlustig und aufgeschlossen. Dieser Dialog macht die Arbeit so spannend und beschert dem Theater angeregte Gespräche mit seinen neugierigen Zuschauerinnen und Zuschauer, sei es beim Tag der offenen Tür, der Langen Theaternacht oder der Spielplanpräsentation.
Ein weiteres Spielzeit-Highlight war das erfolgreiche Festival TanzArt ostwest, das eine Plattform der zeitgenössische europäische Tanzszene darstellt und das Publikum mit außergewöhnlichen Ideen und Spielorten genauso begeistert hat wie die Vorstellungen der Tanzcompagnie des Stadttheaters während der Spielzeit.

Festival TanzArt ostwest am Stadttheater Giessen
(Fotos: Frank Sygusch / Giessen-Server.de)

Georg Büchner hielt seine Studienstadt Giessen für abscheulich. Die Theaterbesucher waren jedoch beeindruckt von der zeitgenössischen, düsteren Lesart seines WOYZECK im Großen Haus. Besonders erfreulich war dabei auch die immense Resonanz der Aufführung bei Schülerinnen und Schülern. Insgesamt bot das Schauspiel in dieser Saison eine besonders große Bandbreit: Tragisches faszinierte dabei genauso wie fragile Romantik und freche Komik in Stücken etwa von Ibsen, Shakespeare oder Heiner Müller.
In der TiL-studiobühne wurde auch in dieser Saison wieder zeitgenössisches Theater aller Sparten für Publikum jeglichen Alters angeboten.
Möglichkeiten junger Menschen Theater zu erleben werden am Stadttheater Giessen ganzjährig angeboten und stetig ausgebaut. Schon Dreijährige staunten über die Welten auf der Bühne, Teenager diskutierten sehr kritisch nach Aufführungen und Studierende beteiligten sich zunehmend an Kooperationsprojekten. Aber Kinder und Jugendliche waren nicht auf das Besuchen von Vorstellungen reduziert. Sie konnten auch wieder in den verschiedenen Jugendclubs selbst kreativ werden und wirkten mit größten Erfolg in hochkarätigen Produktionen des Abendspielplans mit. So waren etwa die beiden Hauptrollen im Musicals DER GEHEME GARTEN und die Knaben in DIE ZAUBERFLÖTE mit Mitgliedern des Kinder- und Jugendchores des Stadttheaters besetzt.
Die Kulturpartnerschaft mit dem Hessischen Rundfunkt bescherte dem Haus zusätzlich zwei Spielzeit-Höhepunkte: Der Kinder- und Jugendchor bestritt die populären Adventkonzerte des Senders, die im auch im hr-Fernsehen und Radio gesendet wurden. Und die Premiere der Oper DER REVISOR wurde live von hr2 Kultur und dem Deutschlandradio bundesweit übertragen.
Der Vertrag der Intendantin Cathérine Miville wurde um weiter fünf Jahre bis 2017 verlängert. Die Theaterleiterin bedankte sich zum Spielzeitende herzlich beim Publikum für das entgegengebrachte Vertrauen und bei ihrem motivierten Team für die außerordentlichen Leistungen der vergangenen Monate.
Am 29. August 2010 heißt das Stadttheater Giessen das Publikum zur neuen Spielzeit unter dem Motto KLICK_ wieder mit dem Tag der offenen Tür willkommen."
Giessen, 05. Juli 2010 / Fotos: Frank Sygusch (Giessen-Server.de)
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