GIESSEN (fsy). Gut gelaunt, frisch und voller Spiellaune, präsentierte sich der heuer 84-jährige Hugo Strasser gestern dem Giessener Publikum im Restaurant bei Karstadt in der Reihe „Kunst / Kultur / Karstadt mit den Musikern der Band „strings only“: Bernd K. Otto; Max Greger jr; Martin Weiss und Jimmi Roger Pedersen.

Die deutsche Swinglegende Hugo Strasser wird in 14 Tagen den 85. Geburtstag feiern. Und es ist kaum zu glauben, wenn man zuschaut und miterlebt, mit welcher Spielfreude und Kraft der ältere Herr auf der Bühne sein Musikinstrument beherrscht und sich in das Quartett „strings only“ integriert. Eine Dame schräg am Tisch gegenüber konnte es nicht fassen, dass der wunderbare Mann an der Klarinette das biblische Alter längst überschritten hat und so heiter und beswingt den Ton angibt.

Über den ganzen Abend swingte und jazzte es im großen Raum bei Karstadt Giessen. Die Zeit verfliegt im Tempo und das Publikum hört aufmerksam zu. Und dort wo sonst die schmeichelnde Stimme des Sängers einsetzt, oder harte Bläsersätze synchron durchstarten wollen und der dreckige Saxophonsound loskrächzt, setzten gestern die zarten Töne der Klarinette oder die schwungvolle Stimme der Geige von Martin Weiss die Akzente des Swing vom Allerfeinsten.

Die Pause kommt unerwartet, weil alle Besucher so tief in der Musik versunken zuhören und die Ankündigung wird erst registriert, als Hugo Strasser die Ansage darauf fokussiert.
Jede Synkope im Zusammenspiel der „strings only“ hat ihre Bedeutung wenn der gefühlvolle Ton der Klarinette die Melodie des Klassikers von Duke Ellington „Creole love call“ besingt. Die Töne der Geige und Klarinette entstehen synchron, sind sauber und schnell gespielt und doch verschieden, aber im Ansatz immer gleich.
Zwischen den Titeln gibt sich Hugo Strasser lässig und während den Musikstücken halten alle fünf Musiker bandleadermäßig Augenkontakt zueinander und geben abwechselnd die Einsätze für Soli und das gemeinsame Spiel.

Die Musik der Klarinette von Hugo Strasser swingt und lädt ein zum Tanz, wenn da nicht die wunderbaren und von Max Greger jr. leicht gespielten Harmonien des Klaviers dazukämen und der Bass kräftig anstimmt.

Hugo Strasser an der Klarinette (Bild: Frank Sygusch)
Hugo Strasser, der in München geboren wurde, absolvierte mit der Klarinette im Alter von 16 Jahren die Akademie der Tonkunst in München. Fast 60 Jahre ist es her, als Strasser Mitglied im Max-Greger-Sextett wurde.
Gestern spielte er mit dem Sohn von Max Greger sen. zusammen und berichtet dem Publikum das Ereignis als Max Greger, Jr. geboren wurde. Die vorgetragene Geschichte wirkt überhaupt nicht aufgesetzt, sondern witzig. Auch der Rhythmus der Stimme ist klar, gerade und natürlich mit dem Münchner Akzent versetzt.

Jimmi Roger Pedersen am Kontrabass (Bild: Frank Sygusch)
Zweimal erklärt Hugo Strasser an diesem Abend, dass er dankbar ist mit solchen hochkarätiger Musiker die Stücke von Duke Ellington, Glenn Miller u.a. spielen zu dürfen. Und Recht hat er, der zu allen ein väterliches Verhältnis haben könnte.
Bernd K. Otto am Banjo und der 4-saitigen Jazzgittare, der bereits vor über 30 Jahren in der renommierten „Barrelhouse Jazzband“ spielte und mit der Band in über dreißig Ländern gastierte und auf zahlreichen Tourneen amerikanische Jazzgrößen begleitet hat.
Der 84-jährige Hugo Strasser aus München (Bild: Frank Sygusch)
Mit Martin Weiss hat die Formation „strings only“ einen der besten Vertreter des Sinti-Jazz, der bereits als 17-jähriger im Häns`che Weiss Trio mit der Geige und Gitarre brillierte. Der 1961 in Berlin geborene Martin Weiss, dem 2001 der Europäische Kulturpreis verliehen wurde, gastierte mit zahlreichen Jazz-Gitarristen wie Joe Pass, Barney Kessel oder Schnuckenack Reinhardt.

Max Greger jr. am Klavier (Bild: Frank Sygusch)
Max Greger jr. studierte im Hauptfach Klavier, Tonsatz und Kontrapunkt an der Musikhochschule in München und spielte anschließend neun Jahre im Orchester des Vaters, bevor er seine eigenen Bandprojekte erfolgreich realisierte.

Bernd K. Otto an der 4-saitigen Jazz-Gitarre (Bild: Frank Sygusch)
Der Däne Jimmi Roger Pedersen kompletiert das „strings only“ Quartett mit seinem gefühlvollen Spiel am Kontrabass. Nach der Ausbildung an der Musikhochschule spielte Pedersen im Duo mit dem Pianisten Horace Parlan, ist Verfasser mehrerer Lehrbücher und arbeitet zudem als Bass-Solist sehr erfolgreich.

Ein Kompliment geht (auch) an den Herrn am Mischpult, der variabel und gefühlvoll die Lautstärke und Einzelkanäle abmischte, damit der Sound bis in die letzten Reihen sauber am Ohr ankam und die Zuhörer erfreute.
Ausstellung: Giessen 23. März 2007 / alle Bilder: Frank Sygusch (Giessen-Server.de)
Februar 2012
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