GIESSEN (mip/r) Wenn am Freitag, den 18. Mai 2007 um 20.00 Uhr auf demSchiffenberg bei Giessen die Gruppe JULI & Friends ihr Giessener-Konzert „Ein neuer Tag“spielen, dann werden im Vorfeld zwei interessante Vorgruppen auftreten. Es sind:

Beatplanet
BEATPLANET - VOLKSEIGENER BEAT AUS BERLIN
"Wer groovt, der schläft nicht!", antwortete der unvergessene Heinz Skodowsky (Leadsänger der Beatband "Heinz Skodowsky & die Pupsies") 1968 auf die Frage, warum er immer so übernächtigt aussehe. Ob er sich der Weisheit, seiner im Suff herausgebrüllten Worte damals überhaupt bewusst war, bleibt fraglich. Für BEATPLANET jedenfalls, ist dieser Satz oberstes Gebot*! Und so sind Sven "Remmidemmi" Rathke, Jan "Kawumm" Kertscher und Martin "Gecko" Gottschild ausgezogen, um den Menschen mit ihren Liedern und Texten die Schuhe auszuziehen, die Herzen zu öffnen und die Besinnung zu rauben. Nachdem die Drei, ohne es zu merken, schon einmal 1987 in der Schlange vor der Geisterbahn auf dem Weihnachtsmarkt am Alexanderplatz direkt hintereinander anstanden, vergingen 10 weitere Jahre, bis sie sich, beim Büchsenwerfen auf dem Buchholzer Baumblütenfest, das erste Mal bewusst in die Augen schauten. (Man war sich sofort sympathisch und schloß gleich Brieffreundschaft. In deren Verlauf kristallisierte sich schnell heraus, daß sowohl Remmidemmi und Kawumm, als auch Gecko große Freunde der Musik von Theo Schumann, Manfred Krug und Nancy Sinatra waren. Nachdem sie 1999 allesamt mächtig auf dem neuen Markt abgesahnt hatten, kaufte sich Kawumm ein Schlagzeug, Remmidemmi eine Gitarre und Gecko einen Bass. Sie nannten ihre Band bescheiden BEATPLANET. (Von da an ging es steil bergauf.)
Nach erfolgreichen Konzerten auf runden Geburtstagen im Familien-, und Bekanntenkreis, in Kreisstädten, Kreissälen, Kreissparkassen und einer nahezu ausverkauften Tour in der U", entschied man sich im Interesse der Öffentlichkeit ein Album aufzunehmen. Im Mai "00" war es dann soweit. Im Berliner "Brosche" Studio begannen die Aufnahmen zum Album "Wer beatet mehr?". Die Lieder des Albums tragen Titel wie: "Sie ist kein leichtes Mädchen", "Nachtschicht", "Laika", oder "Das ist die Liebe der Kosmonauten" und verstehen sich als eine Hommage an die musikalischen Ausbrüche heiratswilliger Tanzmusikvisionäre der 60er und 70er Jahre, die die Fräuleins am liebsten siezten und dem Kosmos noch die eine oder andere Überraschung zutrauten. Dem ganz jungen Hörer werden eher Bezüge zu den Beatles in den Sinn kommen, aber die Älteren werden sich vielleicht an den Musikautomaten in der Mokka-Milch-Eis-Bar erinnern, der zu einem Musikstück immer einen Filmausschnitt brachte. Frank Schöbel, die Musiker von Michael Hansen, Gerd Natschinskie, Günter Fischer und natürlich der junge Manfred Krug fallen hier sofort wieder ein. Live sind BEATPLANET zu siebent, wie sich das gehört. Mehr wird nicht verraten. Vor dem Beat ist jeder gleich. Noch vor: Du sollst nicht töten!
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VIRGINIA JETZT
In der Stadt Elsterwerda werden jährlich 320 Millionen Liter Milch zu Joghurt und Käse verarbeitet. Von der Stadt Elsterwerda aus kann man mit einem Fahrrad einen angenehmen Tagesausflug zu den südbrandenburgischen Streuobstwiesen in Döllingen/Hohenleipisch machen. Die Stadt Elsterwerda klingt nicht zwangsläufig nach einer Weltzentrale des Rock'n'Roll. Mathias Hielscher, Thomas Dörschel, Angelo Gräbs und Nino Skrotzki sind in Elsterwerda aufgewachsen.
1999 haben sie dort eine Band gegründet. Die Helden von der Elbe waren weit und die aus der Abbey Road noch weiter. Trotzdem: Virginia Jetzt! sind eine Band, die sich städtisch anhört, im besten Sinne. Vom Gitarrenpop der frühen Tage, den irgendjemand tatsächlich und ziemlich windschief als Berliner Schule bezeichnet hat, sind VJ mittlerweile einige Meter weitergewandert. Nino klingt wie ein enger Freund von Paul Simon, der in einer WG über den Motown Studios wohnt. Die Band geht emotionale Bandbreiten vom Soloklavier über treibenden White Boy Funk bis hin zum geraden, aufrechten Gitarrensong. Das ist grundsätzlich eine gute Idee – man schlage im Lexikon mal unter „Beatles, The“ nach – aber um zum eigenen Enzyklopädieeintrag zu kommen muss man als Band etwas Handfestes vorweisen können.
Handfest ist zum Beispiel eine Demo CD. Die wiederum landete in den Fängen der Redakteure von Radio Fritz und das ist nun einmal ein sehr populärer Jugendradiosender für Berlin und Brandenburg. Lied läuft, Band freut sich und packt die Siebensachen ein, um nach Berlin zu ziehen. Klarer Mangel an Streuobstwiesen, klarer Überfluss an Geistesgenossen. Und während die vier noch vor dem Badezimmerspiegel stehen, coole Posen und den Verzehr von Eisbein üben, kommt schon ein anderer Städter, Marc Liebscher vom Münchener Label Blickpunkt Pop, und will eine Schallplatte der Band veröffentlichen. Darauf enthalten ist das Lied „Mein Sein“, das sofort einen hohen Popularitätsgrad erreicht, auch dank eines tollen Videos von Benjamin Quabeck. Populäre Musik aber ist ein Feld, in dem die sehr große Plattenfirma Universal federführend tätig ist. Ein Vertrag wird unterschrieben. Im Juni 2003 erscheint mit „Wer hat Angst vor Virginia Jetzt!“ das erste richtige Debutalbum.
Die darauf enthaltenen elf Lieder gut zu finden fällt immer noch sehr leicht. „Dreifach Schön“, „Von Guten Eltern“, „Das Beste für Alle“: VJ! waren schon damals veritable Indiehitmacher. Und dann? Touren. Auf unermesslich vielen Festivals spielen. Im lustigsten Fall sogar mal für Alanis Morissette eröffnen. Und als Album Nummer eins so langsam zur Ruhe kommt, folgt automatisch, richtig, die zweite LP.
Zwischen Fans und Feuilleton hatte die Band eine angenehm eigene Position bezogen, auf der man es sich erst einmal hätte gemütlich machen können. Aber die vier Herren verschwinden sofort wieder im Studio. „Anfänger“ heisst das Zweitlingswerk und das bedeutet im Falle von Virginia Jetzt!: Wir haben noch eine ganze Menge vor uns.
Im August 2004 klingt die Band also anders, weil sich die Erde wieder ein Stückchen weitergedreht hat und weil ein Schritt nach vorne immer auch ein Schritt aus dem gemütlichen Zuhause der alten Songs und der alten Inhalte ist. Die rotierenden Videos, die vollen Säle, der mediale Applaus hat völlig andere Spuren hinterlassen, als zu erwarten war. Natürlich hätten die Vier noch mehr „Hey Hey Heys“ und von guten Eltern sein können, aber das wäre zu einfach gewesen. Die persönliche Bilanz, die die Band auf „Anfänger“ zieht, zeugt von einer Einkehr ins Private, ohne dabei eigenbrötlerisch zu klingen. Nino Skrotzki, singt noch immer so klarund fein, dass man durch seine Stimme hindurch bis in sein Herz hinein zu sehen glaubt, während das Piano von Thomas Dörschel immer mehr an Gewicht gewinnt. Die Songs und Sounds werden komplexer, die Abbey Road rückt immer näher. Der antizipierte Spagat zwischen eigenem Anspruch und Publikum erweist sich Dank „Ein ganzer Sommer“ gelungen. Seit der Tour d'Amour im Herbst 2004 steht häufiger „Ausverkauft“ auf dem Tourplakat, mittlerweile schauen die Jungs von der Bühne auf eine weit verzweigte Fanbase, wie kaum eine andere Band.
Und weil das im deutschsprachigen Raum so gut klappt, ziehen VJ! weiter: Mit dem Goethe Institut geht es quer durch den Kaukasus und dann auch noch mal in die Türkei, in öffentlichkeitswirksamen Ausnahmefällen auch mal nach Oberhausen zu Stefan Raab's Bundesvision Song Contest. All diese erfreulichen Ereignisse mal hintangestellt: Gerade sind Virginia Jetzt! wieder im Studio, zum ersten mal hat sich Band wirklich zurückgezogen. Bald kommt die neue Platte. Und dann? Geht alles wieder von vorne los.
Giessen, 29. März 2007 / Bilder: MM-Konzert Agentur, Kassel
Mai 2012
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