MARBURG (mip/r). Die Anorexia nervosa (Magersucht) stellt bei Mädchen im Jugendalter die dritthäufigste chronische Erkrankung dar. 0,3 bis ein Prozent dieser Altersgruppe sind betroffen. Während der Erkrankungsgipfel der Anorexia bei 14 Jahren liegt, beginnt die Bulimia nervosa meist erst im späten Jugendalter, manchmal auch als Folgeerkrankung einer Anorexie. Auch männliche Jugendliche und junge Männer können von beiden Erkrankungen betroffen sein, dies ist aber seltener der Fall (Geschlechterverhältnis ca. 1:10). Zu diesem Thema lädt Prof. Dr. Katja Becker von der UKGM-Klinik am 29. September von 15 bis 18 Uhr in den Hörsaal des Zentrums für Nervenheilkunde, Rudolf-Bultmann-Str. 8, nach Marburg ein.
Die Ursachen für beide Essstörungen sind multifaktoriell, das heißt es handelt sich um ein Zusammenwirken verschiedener biologischer, persönlichkeitsbedingter, soziokultureller und familiärer Faktoren. Die Therapie der Essstörungen beinhaltet die drei Säulen
1. somatische Rehabilitation und Ernährungstherapie
2. individuelle psychotherapeutische Behandlung und
3. Einbeziehung der Familie.
Die Verlaufsforschung des letzten Jahrzehnts hat gezeigt, dass sich die Prognose der jungen Patienten mit Anorexie insgesamt verbessert hat. Während es vor zehn bis 15 Jahren noch so war, dass nur 40- bis 50 Prozent aller Patientinnen mit der Diagnose Anorexie gesundeten, zeigen sich nun in neueren Studien Heilungsraten zwischen 70 und 80 Prozent.
Da die Anorexia nervosa eine sehr häufige Erkrankung ist, widmet Frau Prof. Becker mit ihrem Team diesem wichtigen Thema einen kinder- und jugendpsychiatrischen Nachmittag. Es ist uns gelungen, Frau Prof. Dr. Beate Herpertz-Dahlmann (Lehrstuhlinhaberin und Direktorin der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie des Universitätsklinikum Aachen) als Referentin zu gewinnen. Frau Prof. Herpertz-Dahlmann, deren Forschungsschwerpunkt die Anorexia nervosa ist, ist eine ausgewiesene Expertin auf dem Gebiet der Essstörungen im Jugendalter. Sie selbst wird den Hauptvortrag halten mit einem „State of the Art“-Übersichtsreferat. Danach werden wissenschaftliche Mitarbeiter der Aachener Klinik über den Vergleich tagesklinischer und stationärer Behandlung bei Patientinnen mit Anorexie sowie über im MRT sichtbar zu machende hirnstrukturelle Veränderungen bei betroffenen Patientinnen referieren.
Programmablauf:
15.00 – 15.45 Uhr: Prof. Dr. Beate Herpertz-Dahlmann (Direktor für Kinder- und Jugend-psychiatrie und –psychotherapie des Universitätsklinikum Aachen):
„Diagnostik und Therapie der adoleszenten Essstörungen, insbesondere der Anorexia nervosa“
15.45 – 16.15 Uhr: Pause
16.15 – 16.40 Uhr: Dipl. Psych. Reinhild Schwarte (Wiss. Mitarbeiterin der Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie des Universitätsklinikum Aachen):
„ANDI – eine multizentrische Studie zum Vergleich tagesklinischer und stationärer Behandlung“
16.40 – 17.05 Uhr: Dr. Jochen Seitz (Wiss. Mitarbeiter der Kinder- und Jugend-psychiatrie und –psychotherapie des Universitätsklinikum Aachen):
„Hirnstrukturelle und –funktionelle Veränderungen bei adoleszenter Anorexia nervosa“
17.05 – 18.00 Uhr: Diskussion
Diese Weiterbildungsveranstaltung wird für Ärzte mit 4 Punkten durch die Landesärztekammer Hessen und für Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten mit 4 Punkten durch die LPPKJP zertifiziert. Für hessische Lehrkräfte wird die Veranstaltung vom Institut für Qualitätsentwicklung beim Hess. Kultusministerium mit 5 Leistungspunkten zertifiziert.
Kontakt
Pia Köhler
Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie
Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH - Standort Marburg
Schützenstr. 49
35039 Marburg
Tel. +49 6421-58-66466
Fax +49 6421-58-63056
Email: Pia.Koehler@med.uni-marburg.de
Mai 2012
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