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Umgestaltungsplanung des Bahnhofsvorplatzes in Giessen

OB Grabe-Bolz legt eigene Eckpunkte vor







GIESSEN (mip/r).                                                      Eigene Eckpunkte zur Überarbeitung der Umgestaltungsplanung des Bahnhofsvorplatzes als Konsequenz aus der Bürgerbeteiligung und der anhaltenden Finanzkrise der Stadt hat nun Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz vorgelegt.














Oberbürgermeisterin der Universitätsstadt Giessen Dietlind Grabe-Bolz
Foto: Frank Sygusch (Giessen-Server.de)












Kernstücke des Vorschlages sind: Verzicht auf den umstrittenen und teuren Kopfbau neben der historischen Treppe, denkmalgerechte Sanierung der Treppe und des Hügels am heutigen Ort, Verzicht auf das unterirdische Fahrrad-Parkhaus, Schaffung weiterer kostenfreier Fahrradabstellmöglichkeiten, Vorziehen der hochfrequentierten Haltemöglichkeit für Autos (Kiss-and-ride-Parkplätze) sowie der Behindertenparkplätze in Richtung Bahnhof, Erhalt der durch die Rote-Liste der gefährdeteten Arten geschützten 150 Jahre alten Platane am Fuß der Treppe und letztlich eine ansprechendere Bepflasterung des Platzes, die mehr Aufenthaltsqualität erzeugen müsse. Da lasse sich, da ist sich die OB sicher, noch einiges bewegen.








Gleichzeitig seien – auch das habe die Bürgerversammlung zu Recht thematisiert – punktuelle Nachbesserungen im Bereich des Öffentlichen Nahverkehrs notwendig: So müssten vor allem die Bussteige und –wartehallen und der Durchgang vom Vorplatz zum Gleis 1 des Bahnhofs auf Funktionalität hin neu überprüft werden. Ebenso sei auf jeden Fall eine neue Führung der Taxen vorzulegen, die nach heutigem Stand der Planung noch ungeordnet auf dem Vorplatz fahren dürften. Das hatte sowohl ein Teil der Stadtverordneten als auch Bürger als kritisch bewertet. Diese letztgenannten Nachbesserungen seien, so ist die OB sich sicher, unproblematisch und unschwer zu gestalten.






Ein grundsätzlicheres Umdenken bei den Mehrheitsfraktionen in Magistrat und Stadtverordnetenversammlung erforderten dagegen sicher die von ihr geforderten Umplanungen im Kernbereich der sogenannten Variante 3b, wozu das historische Ensemble um die Treppe, das Fahrradparkhaus zähle. „Mir ist durchaus bewusst, dass sich die Mehrheit des Parlaments hier anders festgelegt hat“, so die OB. „Dennoch appelliere ich an sie, diese Lösung nicht mit der Brechstange und gegen jede Vernunft durchzusetzen. Wenn die Gesamtplanung im November zur Abstimmung steht, kann sie sinnvolle Änderungen enthalten. Noch ist kein Bagger gefahren. Noch ist es nicht zu spät“, so die OB. Sie selbst habe immer davor gewarnt, Beschlüsse zu fassen, ohne die Kosten zu kennen. Und sie habe auch immer Wert darauf gelegt, Bürgerinnen und Bürger wie auch Beiräte, Vereine und Verbände rechtzeitig einzubeziehen und deren Votum abzuwarten und ernst zu nehmen.







Neben dem ablehnenden Votum des Denkmalbeirates gäbe es – das habe die Bürgerversammlung gezeigt – durchaus auch kritische Stimmen anderer Verbände in Bezug auf das Fahrrad-Parkhaus. „Was haben wir von einem teuren Parkhaus, wenn es 80 Prozent der Radfahrerinnen und Radfahrer gar nicht annehmen?“, fragte Grabe-Bolz mit Hinweis auf eine entsprechende Äußerung des Vertreters des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs bei der Bürgerversammlung. „Wir müssen vor allem jenen 80 Prozent der Radfahrer eine Möglichkeit bieten, die nicht bereit sind, eine Parkgebühr zu zahlen oder in ein unterirdisches Parkhaus zu fahren. Diese Räder werden nämlich ansonsten wild abgestellt“, so die OB. Wer eine geordnete Situation wolle und die Bedürfnisse der Radler ernst nehme, der schaffe andere, attraktivere Abstellflächen. Noch gar nicht diskutiert, aber nicht weniger wichtig sei der Umgang mit der 150 Jahre alten und durch die Rote Liste der gefährdeten Arten geschützten alten Platane auf dem Vorplatz. Nicht nur, dass der Baum von kulturhistorischer Bedeutung sei, da er aus der Gründungszeit des Bahnhofs stamme, er sei zudem auch gutachterlich bestätigt kerngesund. „Der Baum darf nicht gefällt werden, wie es für die Variante 3 b derzeit vorgesehen ist“, erklärte die OB.






Wichtig sei ebenfalls, dass es auf dem neuen Vorplatz bessere Möglichkeiten gäbe, Menschen mit Gepäck oder auch mit Gehschwierigkeiten am Bahnhof abzusetzen. „Für diese Zielgruppe sind 50 Meter weitere Entfernungen durchaus relevant. Selbst am Flughafen, wo es sicher nicht mehr Platz als am Giessener Bahnhof gibt, existieren diese Halteplätze, die nur für wenige Minuten angefahren werden dürfen. Da wird es doch in Giessen möglich sein, genau für diese Zielgruppe wie auch für Behinderte andere Möglichkeiten zu schaffen, um näher am Bahnhof halten zu können, “ meinte Grabe-Bolz. „Wenn man auf den nicht nötigen Kopfbau und das Parkhaus verzichtet, lassen sich in diesem Bereich ohne Probleme Plätze für Fahrräder und auch für die sogenannten Kiss-and-ride-Plätze schaffen, zeigte sich die OB überzeugt. Und für hochwertige Fahrräder, die gegen Gebühren geparkt werden sollten, ließen sich sicher auch im Bereich des Parkhauses Lahnstraße Möglichkeiten schaffen.






Welche realen Kosteneinsparungen ihre Vorschläge brächten, werde sie umgehend prüfen lassen, kündigte Grabe-Bolz an. Dies wie auch ihre Vorschläge werde sie – falls sie nicht in befriedigendem Maße in die Abwägungen im Verfahren einbezogen würden – selbst zur Abstimmung stellen.




„Bislang hoffe ich aber, dass die Mehrheit in Magistrat und Stadtverordnetenversammlung sich beim nunmehr kommenden Bau- und Finanzierungsbeschluss gegenüber guten Argumenten in der Sache öffnet. Sie könnte damit sowohl ein Zeichen für nachhaltige Finanzpolitik wie auch für ernsthafte Bürgerbeteiligung setzen“, so die OB abschließend. Dies habe der zuständige Stadtrat bei der Vorbereitung der Bürgerversammlung explizit formuliert: Die Vorschläge aus der Bürgerschaft sollten alle geprüft, abgewogen und dem Parlament zur Abstimmung vorgelegt werden. „Und das bedeutet: Die Planung muss offen sein. Auf diese Offenheit hoffe ich nun.“







Giessen, 17. Oktober 2010 / Foto: Giessen-Server.de (Archiv)








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