Werke von Hanns Eisler, Johann Sebastian Bach und Felix Mendelssohn Bartholdy
17. April 2007 | 20.00 Uhr | Stadttheater Giessen, Großes Haus
Im Anschluss an das Sinfoniekonzert findet im Foyer ein nachgefragt mit Michael Hofstetter und dem Generalmusikdirektor Carlos Spierer statt – das Solistenporträt am Sonntag entfällt.
GIESSEN (mip/r).Ein außergewöhnliches Programm bietet das achte Sinfoniekonzert im Stadttheater Gießen, das der ehemalige Giessener Generalmusikdirektor Michael Hofstetter musikalisch leiten wird. Er gehört heute zu den gefragtesten Dirigenten und hat sich vor allem als Barockspezialist und Experte für authentische Aufführungspraxis einen Namen gemacht. Weltliches und Geistliches stehen sich in diesem Sinfoniekonzert gegenüber: Weltlich die Ernsten Gesänge, mit denen Hanns Eisler seine Forderung nach persönlichem Glücksanspruch innerhalb einer sozialistischen Gesellschaft vertrat; Geistlich hingegen die Kantate „Ich habe genug“, deren Worte Johann Sebastian Bach dem Simeon in den Mund legt, nachdem er in Jesus den Messias erkannt hat; Geistlich, feierlich und ein krönender Abschluss zugleich die REFORMATIONSSINFONIE von Felix Mendelssohn Bartholdy als Bekenntnis zum Protestantismus.
Hanns Eisler, geboren 1898 in Leipzig, gilt bis heute als umstrittene Künstlerpersönlichkeit. Der Schönberg-Schüler lebte und wirkte nach 1945 in der DDR. Als Komponist der Nationalhymne der DDR war er im Westen politisch anrüchig, als eigensinniger Querkopf stieß er auch in seinem eigenen Land zunehmend auf Ablehnung. Dass er in seinen Werken nicht immer mit der politischen Führung konform ging, zeigen auch seine 1961 komponierten ERNSTEN GESÄNGE, in denen er der Gesellschaft den Spiegel vorhält.
„Diese Kantate gehört zum Ergreifendsten, was ich in der Musik kenne." So beschrieb Cosima Wagner die Kantate des Leipziger Thomaskantors Johann Sebastian Bach. „Ich habe genug!“ sind die Worte des alten Simeon aus dem Lukasevangelium, nachdem er das Jesukind in Armen gehalten hat – nun kann er beruhigt aus dem Leben scheiden. Selten hat Bach die Ablehnung des irdischen Lebens, die mystische Sehnsucht nach dem Tode und nach himmlischer Seligkeit intensiver, packender und inbrünstiger in Musik gesetzt, als in diesem Werk. Als eine von insgesamt 12 Solokantaten Bachs enthält sie mit der "Schlummer-Arie" eines seiner populärsten Stücke überhaupt.
Der blutjunge Felix Mendelssohn Bartholdy hatte sich bereits mit zwölf Streichersinfonien ausprobiert, bevor er sich auf das Terrain der großen Sinfonie wagte. Doch Mendelssohn war so selbstkritisch, dass er kaum eines seiner späteren sinfonischen Werke zum Druck freigeben wollte. Auch seine 5. Sinfonie D-Dur nicht, die erst nach seinem Tod veröffentlicht wurde. Besonders der letzte Satzzeigt den protestantisch-religiösen Charakter des gesamten Werks durch das Thema, dem er dient: Eine Choralbearbeitung des Lutherschen „Ein’ feste Burg ist unser Gott“.
Im Anschluss an das Sinfoniekonzert steht Michael Hofstetter dem Giessener Generalmusikdirektor Carlos Spierer und dem Publikum für ein Gespräch im Rahmen der Reihe nachgefragt zur Verfügung. Das für kommenden Sonntag, den 15. April, angesetzte Solistenporträt zu seiner Person muss leider aus terminlichen Gründen entfallen.
Giessen, 10. April 2007
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