
Also auch in der Universitätsstadt Giessen ist nun das lange geltende Tabu bei den Grünen gebrochen worden, mit der Christlich Demokratischen Union ernsthaft zu verhandeln, um eigene politische Inhalte in einer möglichen Koalition umsetzen zu können.
Natürlich erinnerten einige Mitglieder daran, dass der Lieblingspartner die SPD bleiben könnte, doch die hat sich in der Vergangenheit mit den Grünen in Giessen immer schwer getan. Lag das bloß an den Protagonisten und schwierigen Persönlichkeiten auf der Ebene der Hauptamtlichen, oder hat die SPD in Giessen ihre Berührungsängste gegenüber den Grünen abgelegt? "Immer das Recht behalten zu wollen, das man anderen nicht zubilligen will," scheint schwierig zu werden für die SPD, besonders in Zeiten, wo Koalitionsmöglichkeiten rar sind.
Über die Freien Wähler berichteten die Mitglieder der Sondierungskommission, „dass der eine lieber in die Opposition will und der andere in die Regierung“. Das sind natürlich keine guten Aussichten, wenn es um verantwortliche Absprachen über 5 Jahre gehen soll. Und von den Linken, die im Wahlkampf „nur gegen Hartz IV und sonst nix“ geworben hatten, wußte man auch nicht genau, ob der lose Zusammenschluss noch zwei Jahre oder mehr Entwicklungszeit braucht, um in der Kommunalpolitik konstruktiv mitwirken zu können.
Nun öffnen sich die Grünen im Stadtverband Giessen gegenüber der CDU, die im Wahlkampf in der Hauptsache mit „Sauber, Sicher und Ordentlich“ geworben hatte. Falls eine Koaltion dabei herauskommt, dann wollen die Grünen das Dezernat, das im Moment der CDU Politiker Rausch inne hat. "Dann werden wir wieder 500 und mehr Bäume pflanzen, die Herr Rausch hat abholzen lassen", rief ein Mitglied der Grünen in die Runde.
Doch spätestens als der Politikwissenschaftler Prof. Dr. Heinrich Brinkmann an die Arimethik der Möglichkeiten erinnerte, fiel es allen auf, dass ja noch ein weiterer Partner, oder mehrere Partner für eine mögliche Koalition gebraucht werden. Ist also die eigene Strategie doch kein böser Zauber?
Und so einigte man sich schnell auf die grünen Stärken in Giessen im April 2006. "Denn es ist nun mal so, dass die Grünen die Wahl gewonnen haben und rein rechnerisch die CDU mit 2000 Stimmen in den 70 Wahlbezirken abgestraft wurde“, erklärte Walter Bien. "Und so darf es auch nicht ausreichend sein, wenn bloß ein paar grüne Tupfer im Koalitionspapier drinstehen werden.Wir wollen grüne Politik für Giessen umsetzen", ergänzte Klaus-Dieter Grothe.
Und so zeigten sich die Grünen am Ende des Abends sehr selbstbewusst und wählten zum Schluss sechs Personen in die Verhandlungskommission, die „unterschriftsreife“ Papiere ausarbeiten sollen. Mit dabei sind die fünf Mitglieder der Sondierungskommission: Gerda Weigel-Greilich; Klaus-Dieter Grothe, Dr. Wolfgang Deetjen; Dr. Bettina Speiser; Maren Kolkhorst und Walter Bien.
Giessen, 06. April 2006
Mai 2012
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