GIESSEN (fsy). Punktgenau fließend mit feinem und geübtem Schwung aus der Schulter heraus und wie in eine glasklare Seelenruhe gehüllt, wirkt die leibhaftige Künstlerin auf den Betrachter im Kontakt, als sie am Donnerstagabend bereitwillig Kataloge, Plakate und Handzettel im Oberhessischen Museum im Alten Schloss in Giessen signierte. Dort eröffnete die Ausstellung „Elvira Bach -Malerei 1983-2010, Keramikköpfe“, die bis zum 13. November 2011 zu sehen ist.

Elvira Bach im Oberhessischen Museum in Giessen
(Fotos: Frank Sygusch)

Elvira Bach im Oberhessischen Museum in Giessen
(Fotos: Frank Sygusch)

Der große Saal im Museum war schon eine halbe Stunde vor der Eröffnung der Veranstaltung überfüllt und als die Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz die Künstlerin Elvira Bach und die Gäste begrüßte passte keine Maus mehr in den Saal.

Elvira Bach im Oberhessischen Museum in Giessen
(Fotos: Frank Sygusch)

Elvira Bach im Oberhessischen Museum in Giessen
(Fotos: Frank Sygusch)

Elvira Bach im Oberhessischen Museum in Giessen
(Fotos: Frank Sygusch)

Elvira Bach im Oberhessischen Museum in Giessen
(Fotos: Frank Sygusch)

Museumsdirektor Dr. Friedhelm Häring – sichtlich erfreut über den schönen Abend - fand einführende Worte zum Werk und Person der Künstlerin und stellte ausgewählte Arbeiten vor. Zeitgleich sind auch Werke der Künstlerin in der Wetzlarer Galerie am Dom zu sehen und Galerist Michael Marks überreichte als Geschenk eine Arbeit von Elvira Bach an das Oberhessische Museum.

Elvira Bach im Oberhessischen Museum in Giessen
(Fotos: Frank Sygusch)

In der Ausstellung in Giessen werden Werke aus einem Zeitraum von 27 Jahren, beginnend mit Arbeiten aus dem Jahr nach der documenta 7 (1983) und dem Aufenthalt als Stipendiatin in Santa Domingo, gezeigt. Seit dieser Zeit gehört Elvira Bach zu den anerkannten und renommierten Künstlerinnen im In- uns Ausland und hat in allen Kontinenten zahlreiche Einzelausstellungen gehabt.

Elvira Bach im Oberhessischen Museum in Giessen
(Foto: Frank Sygusch)
Die Arbeiten Bachs zeigen vorwiegend Frauen in einer lebhaften Farbvielfalt, die aus dynamischer Gestaltungslust entstanden zu skulpturaler Malerei geworden sind. Die Farbebenen und der Formenreichtum der Bilder bestechen im Moment der Betrachtung und laden gleichzeitig ein zum Verweilen. Die Bildwelten lassen eine leibhaftige Farbigkeit in den Raum ausströmen und die glasklare Bildsprache ist voller Leichtigkeit und mit reicher Symbolik ausgefüllt. Manche der Bildformen wirken wie dreidimensional in den Raum gezogene breite Farbkonzepte, die nur mit zarten Umrisslinien auf kräftigem Farbhintergrund eingegrenzt und umspannt sind.
Die Keramikköpfe offenbaren wirkungsvoll eine tiefe Motivation für die Grundidee der skeptischen Emanzipation, die in jeder Natur des Menschseins steckt und jedes skulpturale Objekt zeigt eine farbige Leidenschaft für eine Einzigartigkeit im Ausdruck durch eine Entstehung und gleichzeitige Verbindung von symbolischen Formgestalten.

Die großformatigen Portraits von Elvira Bach sind wunderbare Farbkonzepte mit kantigen Rundungen, die offen gehalten und für immer und ewig ein Teil ihrer selbst bleiben; denn die Künstlerin arbeitet stets ohne Modell und das innere Bild, das aus der Begegnung mit dem Anderen entsteht, zeigt eine starke und konsequente Präsenz im Kontakt. Weiße Punkte auf schwarzem Hintergrund werden in der Betrachtung zu farbintensiven Linien, die sich kreuzen, abtrennen, verschmelzen oder dynamisch anbinden; oder als Zangengriff zweier Handteile abgespreizt auf dem Bildhintergrund anwachsend oder einfach nur skulptural loslösend in den Raum und die Zeit hinein leuchtend als zartes Rouge auf unfarbigem Zwischenton, um lange, lange zu wirken.

Elvira Bach, 60 Jahre jung, kommt im Ursprung aus dem hessischen Taunus und hat von 1967 bis 1970 die Glasfachschule in Hadamar besucht. Von 1972 bis 1979 studierte sie in Berlin an der Hochschule der Künste.
Berlin wird fortan ihr Ort, an dem sie lebt, arbeitet; eine Heimat und Abenteuer entbindet und ihre „5. Jahreszeit“ findet. Während des Studiums arbeitet Elvira Bach als Souffleuse und als Requisiteurin an der Schaubühne am Halleschen Ufer „immer den Skizzenblock dabei“.
Bis zum 13. November 2011 ist die Ausstellung im Oberhessischen Museum im Alten Schloß, Brandplatz 2 in Giessen zu sehen.
Öffnungszeiten täglich (außer montags) von 10.00 bis 16.00 Uhr.
Eintritt frei
Zur Ausstellung ist ein umfangreicher und hochwertiger Katalog unter dem Titel "Schlangen, Schmuck und Küchentücher bei Frauen, Diven und Mänaden" erschienen.
Giessen, 19. September 2011 / alle Fotos zur Ausstellungseröffnung: Frank Sygusch / Mit der Bitte um Beachtung: Teilweise zeigen die Bilder nur Ausschnitte aus den Werken der Künstlerin.
Mai 2012
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