
GIESSEN (fsy). Carolin Weber und Markus Rührer lasen im Foyer des Stadttheaters aus dem ersten Erzählband „Hundskopf“ von Dea Loher.

Carolin Weber las aus dem Erzählband "Hundskopf" von Dea Loher die Geschichte "Agnes"
Foto: Frank Sygusch
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Auf die Frage warum Dea Loher nicht schon früher mit dem Schreiben von Erzählungen begonnen habe, antwortete die Schriftstellerin, dass niemand veröffentlichen wollte, was sie damals schrieb. Das klingt geradezu merkwürdig, wenn man alle die Erzählungen gelesen hat, die letztes Jahr in einem Prosaband erschienen sind. Und kaum zu glauben, dass kein Verlag die frühen Erzählungen der später preisgekrönten Autorin von Theaterstücken veröffentlichen wollte.

Liegt es vielleicht daran, dass den Erzählungen die Kraft des Augenblickes fehlt, die Dea Loher in der dramatischen Zuspitzung ihrer Texte durch die Inszenierung ihrer Bilder auf der Bühne im Theater so gelungen ist und sie so ausgezeichnet hat?
Im Erzählband „Hundskopf“ hat die Autorin nun 2005 acht Geschichten aufgelegt, die alle irgendwie aus dem banalen Alltag kommen. Es sind nachdenkliche Geschichten, aus der Perspektive von Betrachtern und Augenzeugen von außen und jeder Blick trifft das Eigentliche aus einer analytisch orientierten Sichtweise.

Jede Berührung und Bewegung scheint vertraut und doch löst sich irgendwann etwas auf und öffnet den Blick für eine nächste Tür und das Unvorhergesehene und Merkwürdige.
Beim Lesen spürt und fühlt man, dass irgendetwas nicht stimmt in der Alltagswelt der Protagonisten, über die genauestens und detailliert in Szenen und Körperausdrucksprache berichtet wird.

So wie in der zärtlichen Geschichte von Tante Agnes, die jedes Jahr an sich selbst es erleben will, dass die Schwerkraft im sich wild drehenden Karussell aufgehoben ist. Tante Agnes hatte das schon immer gewusst, schon als Kind, dass der Boden schwindelt, dass der Boden uns anschwindelt, wenn man sich dreht, aber es hatte ihr vermutlich niemand glauben wollen …
„Wir würden uns nicht halten können, wir würden beide die glatte rotierende Scheibe entlang schlittern, um die Nabe herum, dann gegen das Gitter geschmettert, wieder keinen Halt finden, wir würden im Kampf zwischen Flieh- und Schwerkraft zertrümmert werden. Es war nur die Frage, wen von uns beiden zuerst die Kräfte verlassen würden. Wir waren schief in die Welt gekippt worden, und die Welt würde nie mehr gerade sein.“
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Carolin Weber
Mai 2012
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