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Giessen Kunsthalle

Lichtspieltänze I - Film-Tanz-Performance

Tanzcompagnie Giessen in Zusammenarbeit mit dem Film-Festival Sans Souci Los Angeles





Julia Christeiner, Antonia Heß und Hiroshia Wakamatsu (Bild: Frank Sygusch)





GIESSEN (loe).       In einen gelungenen Dialog traten experimentelle Tanz-Filme und gleichzeitig dazu live aufgeführte Performances am Montagabend im Heli-Kino. Der interdisziplinäre Event mit dem Titel „Lichtspieltänze I“ war die Auftaktveranstaltungzum Festival „TanzArt ostwest“, das in diesem Jahr zum fünften Mal unter der künstlerischen Leitung von Ballettdirektor Tarek Assam stattfindet.Die gezeigten Kurzfilme liefen bereits im Rahmen des Tanzfilm-Festivals Sans Souci in Los Angelos. Mitglieder der Giessener Tanzcompagnie und fünf weitere Tänzer nahmen in ausgefeilten wie durchdachten Choreografien Bezug auf die filmischen Vorlagen. Dabei wurden aber die bewegten Bilder auf der Leinwand nicht zum rein dekorativen Bühnenbild degradiert, sondern die Eigenständigkeit der filmischen Arbeit blieb gewahrt. Vielmehr wurden die Lichtspiele durch die tänzerischen Aktionen nahtlos erweitert, ergänzt oder kommentiert. Eine intensive Auseinandersetzung mit den Filmen muss im Vorfeld stattgefunden haben, denn die Ergebnisse waren bemerkenswert schlüssig. Ganz unterschiedlich waren die Ansätze, wie die Choreografen mit dem vorgegebenen Material umgingen. Der Bühnentanz korrespondierte zum einen mit den im Film gezeigten Bewegungen von Personen oder Dingen, zum anderen mit der Machart, wie dem Rhythmus der Schnitte und der Geräusche sowie mit den Kameraeinstellungen.






Aqua Madora - Filmregie: Ana Baer / Tänzerinnen: Magdalena Stoyanova und Antonia Heß (Bild: Frank Sygusch)





Zur Einstimmung wurde ohne Bühnenvorführung „In There“ von Michelle Ellsworth“ gezeigt. Einen Badezimmertanz, der durch die offene Tür beobachtet wird, konnte das Publikum verfolgen. Die Szenen in der Nasszelle wechselten ab mit Bildern eines Mundes, der Gänseblümchen kaute. Hintergründig absurd kommentierte die Frauenstimme: „Ich esse Gänseblümchen, um Heinrich VIII besser verstehen zu können und seinen Missbrauch von Macht, Religion, Frauen und Sprache. „Like Being Dreamt“ von Lindsay Pierce lief ebenfalls ohne weitere tänzerische Ergänzung.





Light Hand Song - Filmregie: Rebekah West / Choreographie: Carlos Cortizo / Tänzerinnen und Tänzer: Masami Sakurai, Magdalena Stoyanova, Laura Witzleben und Paul Zeplichal (Bild: Frank Sygusch)






Meditative Ruhe strahlte das fernöstlich angehauchte „Light Hand Song“ (Regie: Rebekah West) aus. Man sah zwei Frauen, die fast zeitlupenartig ihre Hände und Fußspitzen in Wasser tauchten. Verschränkten diese die Hände und Arme,entstanden in Nahaufnahmen ansprechende Bilder und Formen. Die außergewöhnlichen Kamerabewegungen und –einstellungen stellten ebenfalls ein tänzerisches Element dar. In der strengen Choreografie von Carlos Cortizo zeichneten die Tänzer Masami Sakurai, Magdalena Stoyanova, Laura Witzleben und Paul Zeplichal, die zu zwei Zweiergruppen zusammengefasst wurden, die bizarren Formen nach. Die Paare auf der Bühne führten manchmal synchron, manchmal zeitlich versetzt die gleichen Bewegungen aus.






Lichtspieltänze (Bild: Frank Sygusch)





Mit Taucherbrille und Schnorchel schlängelte sich Miranda Glikson, die auch zugleich ihre eigene Choreografin war, zum Rhythmus der Filmschnitte und Geräusche von „Steel Work (Section One)“ (Regie: Elliot Caplan) über die 10 Meter lange Bühne. Meeresrauschen und dramatisches Raubtierknurren gab die Geräuschkulisse. Langsam, wie beim Schwimmen im Wasser gegen einen Widerstand angehend, vollzog die Tänzerin ihren ästhetischen Gang. Das beige-braun des Kostüms passte zu den Farbtönen einiger Filmsequenzen.







Ana Baer (Bild: Frank Sygusch)






Ana Baer choreografierte zu ihrem eigenen Film „Silent Salvoes“. Über die Leinwand fegten zu Sturmgeräuschen und Feuergeprassel Bildfragmente. Schemenhaft konnte man einen Tänzer im weißen Gewand erkennen. Auf der Bühne tanzten Julia Christeiner, Antonia Heß und Hiroshi Wakamatsu, ebenfalls in weißen Gewändern. Es entstand der Einruck, als sei die Person von der Leinwand herabgestiegen und habe sich verdreifacht. Die Bilder verdoppelten sich an manchen Stellen, an manchen Stellen aber traten Film und Bühnengeschehen auseinander und trotzdem ein vollkommenes, in sich geschlossenes Werk war das Ergebnis.







Antonia Heß und Magdalena Stoyanova (Bild: Frank Sygusch)





Tarek Assam wählte „Aqua Madora“ von Ana Baer für seine Choreografie. Im Film führte eine Tänzerin Kämpfe mit einer Decke auf einer Liege aus. Sie räkelte, wandt und verknäulte sich, ab und zu erfolgten die Bewegungen abrupt und voller Aggression. Assam ließ die Tänzerinnen Magdalena Stoyanova und Antonia Heß sich parallel dazu ebenso ineinander verknäulen und gegeneinander Kämpfe ausführen. Produktiv ging er mit der Vorlage um, denn er setzte die Aktionen der Filmprotagonistin nicht eins zu eins um. So wurde bezog sich die Choreografie auch auf im Film zu sehende Gegenstände: Zum Beispiel erweiterte ein gehobenes Bein die Linie der gefilmten Bettkante oder die Füße der Tänzerinnen wippten geschmeidig zur hin- und herschaukelnden Kufe eines Schaukelstuhls. Kreativ wurde auch mit den Möglichkeiten von Nahaufnahme und Totale gespielt, denn nicht immer inspirierte das gezeigte Bild in Gänze die Live-Performance. Es schien, als habe sich der Choreograf sich ab und zu auf Bild-Ausschnitte konzentriert, die er szenisch gekonnt erweiterte.







Aqua Madora (Bild: Frank Sygusch)






Den Abschluss des Reigens der tanzenden Bilder machte „Horror Film“ (Regie: Mirko Hecktor und Sonja Junkers), den Mirko Hecktor bühnenwirksam aufbereitete. Eine hechelnde Frau läuft panisch erschreckt in diesem Streifen um ihr Leben, schreit hysterisch und bricht auf einem Platz zusammen. Einmal wurde der Schwarz-Weiß-Film auf der Leinwand gezeigt, dann vor dem zugezogenen roten Kino-Vorhang, was einen Verfremdungseffekt zur Folge hatte. Dann betrat Julia Christeiner, im Kostüm der Filmfigur die Bühne. Ein kleines Tonband trug sie bei sich, das sie abspielte. Ein Mann und eine Frau unterhalten sich über die Geräuschkulisse des Films. Fazit: „Das ist wie bei einer Sexszene.“ Die Frau trat ab und ein Laptop-Monitor hatte das letzte Wort: Ganz langsam erschienen die Buchstaben „E-N-D“.



„Lichtspiele“ ist eine dreiteilige Reihe. Am 23. Mai finden um 14 Uhr die „Lichtspieltänze II“ und am 25. Mai um 14 Uhr die „Lichtspieltänze III“ im Heli-Kino statt. Gezeigt wird jeweils ein anderes, 90 Minuten dauerndes Programm.





Giessen, 22. Mai 2007 / alle Bilder: Frank Sygusch (Giessen-Server.de)


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