„Ich weiß nicht, wo diese kleine Metageschichte angefangen und wo sie enden soll. Das zwingt mich zum Nachdenken, wie es dazu gekommen ist, dass ich mich nach dem philosophischen Studium in Polen ausgerechnet dem Theater zugewandt habe. Vielleicht war es Nachholbedarf und Durst nach freiem Ausdruck: Während der deutschen Besatzung Polens im Zweiten Weltkrieg war das polnischsprachige Theater verboten; unter der kommunistischen Staatszensur war es dann aber nicht so leicht wie die Literatur kontrollierbar.

Andrzej Wirth (Bild: Frank Sygusch)
Dazu kam mein Abenteuer mit Brecht, der nicht in das sowjetische Modell des „Sozialrealismus“ passte, und auch deswegen erfrischend wirkte, außerdem mein Praktikum am Berliner Ensemble, das Übersetzen von Brechts Stücken, seiner Dichtung und der theoretischen Texte, auch der Kampf um Durchsetzung der Brecht`schen Theaterästhetik in Polen, in dem ich mich als Kritiker engagierte. (…)“.
So beginnt der erste Absatz des Beitrags von Andrzej Wirth im Buch „400 Jahre Universität Giessen – Akteure / Schauplätze / Erinnerungskultur“.

Der ehemalige Lehrstuhlinhaber und Gründungsdirektor des Studiengangs „Angewandte Theaterwissenschaft“ in Giessen, der jetzt in Berlin lebt und kürzlich seinen 80. Geburtstag im Hebbel-Theater feierte, nahm am Festakt zum 400. Geburtstags der Justus-Liebig Universität Giessen teil.


Giessen, 22. Mai 2007 / Bilder: Frank Sygusch
Mai 2012
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