GIESSEN (mip/r). Der zweite Vortrag des Oberhessischen Geschichtsvereins widmet sich einem volkskundlichen Thema. Referent ist Prof. Siegfried Becker von der Europäischen Ethnologie der Universität Marburg, hat seinen Beitrag der Lahn als Sagenmotiv gewidmet. Die Lahn, die einmal bis an die Gießener Neustadt heranreichte, fordere jedes Jahr ein Opfer und kündige den Tod eines Menschen durch Ertrinken zuvor mit langen, dumpfen und hohlen Tönen ihrer Strudel an. Otto Ubbelohde brachte 1914 in der Hessen-Kunst eine Federzeichnung zu dieser Sage. Eine Frau ist beim Wäschewaschen und eine Nixe greift nach ihr.
Sage und Illustration sind in komplexen Zusammenhängen zu sehen, die von antiken und mittelalterlichen Dämonenvorstellungen bis zu den pantheistischen Naturdeutungen um 1900 reichen. Im Vortrag sollen die theologischen und naturwissenschaftlichen Diskurse der frühen Neuzeit, die Wege der Überlieferung von der hessischen Chronistik bis zu den Brüdern Grimm, vor allem aber die Deutungsinteressen in der Zeit der Hochindustrialisierung am Beginn des 20. Jahrhunderts betrachtet werden. Zudem hat das Thema eine erstaunliche Aktualität, wird doch auch heute wieder die Opfer-Metapher bemüht, wenn die Jahrhunderthochwasser als Sintflutereignisse und damit als Strafe gedeutet werden.
Achrtung: Ausnahmesweise findet der Vortrag im Margarete-Bieber-Saal (Ludwigstr. 34, schräg gegenüber dem Uni-Hauptgebäude) statt. Tag und Uhrzeit wie gewohnt: Mittwoch um 20 Uhr. Auch Nicht-Mitglieder sind herzlich willkommen.
Der Eintritt ist frei.
Weitere Informationen unter www.ohg-giessen.de
Giessen, 08. November 2011
Mai 2012
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