von Dagmar Klein
GIESSEN. Sie tschilpen und tirillieren, sie sind zutraulich und freundlich, sie knabbern am Öhrchen ihres Menschen, kurz: sie sind beste Freunde des Menschen - die Wellensittiche. Ein Gutteil des Publikums outete sich, in der Kinder- und Jugendzeit einen solchen Vogel besessen zu haben. Insofern trifft der Giessener Tanzdirektor Tarek Assam mit seiner neuen Choreographie „Wellensittiche“ den Nerv der Menschen. Mit der Premiere des gleichnamigen Tanzstücks startete im Theater im Löbershof (TiL) zugleich das 5. TanzArt ostwest-Festival, eine europaweite Tanzveranstaltung, deren Initiator und Leiter der Giessener Tanzdirektor Assam ist, dessen Grundprinzip auf dem gegenseitigen Austausch basiert (www.tanzart-ostwest.de).

Svende Obrocki von der Tanzcompagnie Giessen / Wellensittische (Bild: Frank Sygusch)
Die Beschäftigung mit dem Thema „Wellensittiche“ hat allen Beteiligten offensichtlich viel Spaß gemacht. Was sich in den grell bunten Kostümen (Suse Tobisch) zeigt, in der melodiös-temporeichen Pop-Musik von Prince, Nicola Conte, Red Snapper und in der fröhlich-verspielten Choreografie selbst. Motivation für Assam war die erstaunliche Erkenntnis, dass es zwischen Menschen und Wellensittichen Parallelen im Verhalten gibt. Beide sind Gruppenwesen und erkranken, wenn sie zulange alleine sind, beide haben ein ausgeprägtes Balzverhalten, reagieren auch mal eifersüchtig und betreiben Nestpflege.
Dramaturgin Renate Aichinger loggte sich in die Internetforen von Wellensittich-Haltern ein, in denen es um Futtermengen, Hormonschwankungen und Zuchtprobleme geht. Ernste und weniger ernste (Er)Kenntnisse zum Melopsittacus ondulatus sind im Programmheft und als Schriftzug auf der Bühnenrückwand nachzulesen. Da brüllen und tanzen die Vögel, da zicken die Weibchen und brüten die Männchen; letztere in lässig-cooler Pose.

Wellensittiche (Bild: Frank Sygusch)
Die Gesichter der Tanzenden sind durch Schwimmbrillen und einen fedrigen Kopfputz entindividualisiert. Ihre Bewegungen nähern sich denen von Wellensittichen: kurze Beinchen durch Laufen in der Hocke, eifriges Putzen des Köpfchens, ruckartige Kopfdrehungen und schnelles Picken mit dem Schnabel. Da wird mit den Flügeln geschlagen, auf der Schaukel geschaukelt und auch mal das eigene Federkleid gerupft. Das Schnäbeln (=Küsschen geben) eines Pärchens und das Kopf-unter-den-Flügel-Stecken (=Schmusen) wird allerliebst dargestellt (Svende Obrocki, Matthew Bindley). Alternierend wird Vogelverhalten mit Witz gebrochen, wenn etwa zwei Weibchen sich verführerisch geben (Masami Sakurai, Magdalena Stoyanova) oder ein Männchen (Paul Zeplichal) sich im Wasserbecken mit Seife wäscht und eitel vor den Augen der Weiblichkeit produziert.

Wellensittiche (Bild: Frank Sygusch)
Am Ende steht die Käfigtür offen und ein Wellensittich erobert sich die Weite des Himmels zurück. Denn, was wir gern vergessen, der Wellensittich ist ein Schwarmvogel und lebt in der Wärme Australiens. Ein anregendes und fröhliches Tanzstück, das künftig zusammen mit dem Stück „Plastik“ ins laufende TiL-Programm aufgenommen wird.
Giessen, 27. Mai 2007 / Bilder: Frank Sygusch (Giessen-Server.de)
Mai 2012
Giessen Links
Stadt Giessen
Justus-Liebig-Universität
Fachhochschule Giessen
Tourist Information Giessen
Kunsthalle Giessen
Stadttheater Giessen (Jahresprogramm)
Mathematikum in Giessen (Jahresprogramm)
Botanischer Garten in Giessen
Liebig Museum in Giessen
Kümmerei in Giessen
Messe Giessen