GIESSEN (mip/r). Zum 200. Geburtstag von Friedrich von Flotow bringt Roman Hovenbitzer in einer knallbunt-rasanten Inszenierung ein Stück „Stradellamanie“ ins Große Haus des Stadttheaters Giessen. Die musikalische Leitung liegt bei Jan Hoffmann, für die Rolle des Alessandro Stradella konnte der Tenor Corey Bix gewonnen werden.

ALESSANDRO STRADELLA – Romantische Oper im Stadttheater
(Foto: Frank Sygusch)
Er war einer der größten Komponisten des Hochbarocks in Italien und zugleich ein Verführer wie er im Buche steht: Alessandro Stradella. Seine Geschichte ist äußerst abenteuerlich. Von Flucht aus verschiedenen Städten ist die Rede, von tȇte-à-tȇtes mit seinen Schülerinnen, die seiner angeblich überaus schönen Gesangsstimme erlagen, von Mordversuchen an seiner Person – an einem starb er tatsächlich am Strand von Genua. Er war ein Tausendsassa, ein Filou und schließlich so bekannt für seine Amouren, dass zu Beginn des 19. Jahrhunderts in der Kunst, der Musik, der Literatur und auf dem Theater eine wahre „Stradellamanie“ ausbrach. Sein Leben wurde in schillernden Farben und mit so mancher Arabesque ausgeschmückt erzählt. Auch Friedrich von Flotow schloss sich diesem Trend an. Mit seiner 1844 in Hamburg uraufgeführten Oper ALESSANDRO STRADELLA begründete der Komponist seinen Ruhm in Deutschland.
Alessandro Stradella besitzt – als tenoraler Charmeur – die Macht der Stimme. Mit eben dieser lockt er die schöne Leonore in seine Arme; und das Mädchen ist auch nicht abgeneigt, zumal sie so der Heirat mit ihrem ungeliebten Vormund Bassi entgeht. Bassi jedoch tobt vor Wut und heuert die Auftragsmörder Malvolino und Barbarino an, um Stradella um die Ecke und Leonore wieder nach Hause zu bringen. Doch selbst die beiden Ganoven schmelzen bei Stradellas hohem C förmlich dahin. Am Ende gesteht sogar Bassi ein, dass man einem solchen Sänger schlichtweg jedes Vergehen verzeihen muss.
Über viele Jahrzehnte hinweg wurde ALESSANDRO STRADELLA kaum noch gespielt und galt als vergessen. Pünktlich zum 200. Geburtstag von Friedrich von Flotow ist es daher wieder an der Zeit, dieses Werk auf den Spielplan zu heben – ein Werk, das die deutsche Romantik und die französische Spieloper gleichermaßen bedient. Melodiereiche Kantilenen stehen neben spritzigen Ensemblenummern, die romantische Idylle neben der turbulenten Tanzeinlage. So erzählt das Inszenierungsteam um Regisseur Roman Hovenbitzer das Werk als knallbunt-rasanten Comic-Strip. Alles dreht sich, alles bewegt sich. Und im Mittelpunkt steht dabei natürlich Stradella selbst, der Künstler, das Genie, der Virtuose, der Märchenprinz, die Ikone. Die musikalische Leitung liegt bei Jan Hoffmann. Als Titelheld konnte der Tenor Corey Bix gewonnen werden, der mit seiner überaus strahlenden Stimme schon für so manche Gänsehaut gesorgt hat.
ALESSANDRO STRADELLA – Oper von Friedrich von Flotow
Libretto von Friedrich Wilhelm Riese
Musikalische Leitung und Chor: Jan Hoffmann | Inszenierung: Roman Hovenbitzer Bühne: Hermann Feuchter | Kostüme: Bernhard Niechotz
Mit: Anna Gütter / Odilia Vandercruysse (Leonore); Corey Bix (Alessandro Stradella),
Stephan Bootz (Bassi), Wojtek Halicki-Alicca (Barbarino), Tomi Wendt / Matthias Ludwig (Malvolino)
Chor und Extrachor des Stadttheater Gießen | Mitglieder der Showtanzgruppe „Soul System“ Hungen | Philharmonisches Orchester Giessen
Premiere: 28. Januar 2012 | 19.30 Uhr | Stadttheater Giessen | Großes Haus
Weitere Vorstellungen: 09. Februar, 09. und 24. März, 14. April, 09. Juni 2012 | jeweils 19.30 Uhr und 26. Februar 2012 | 15.00 Uhr | Stadttheater Giessen | Großes Haus
Giessen, 19. Januar 2012 / Bild: Frank Sygusch
Februar 2012
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