Prof. Elisabeth Stern zu Gast auf „Beutelspachers Sofa“ im Mathematikum in Giessen

Die kleinen blauen und weißen Gespenster im Giessener Mathematikum (Bild: Frank Sygusch)
GIESSEN (mip/r). Wenn sie über darüber spricht, wie der Mensch sich Wissen aneignet, dann geht Prof. Elisabeth Stern in der Entwicklungsgeschichte ganz weit zurück: Seit Jahrtausenden bevölkern Menschen die Erde. Doch das heute erforderliche Wissen, das erst wenige Jahrhunderte oder gar Jahrzehnte alt ist, erfordert andere Lernprogramme, als sie der Menschheit in die Wiege gelegt wurden.
Welche Konsequenzen diese Annahme für den Schulunterricht hat, wird die Lehr- und Lernforscherin vom Berliner Max-Planck-Institut am Donnerstag, 14. Juni, auf „Beutelspachers Sofa“ erläutern. Prof. Albrecht Beutelspacher bittet die gebürtige Marburgerin, um 19.30 Uhr im Mathematikum, Liebigstraße 8, auf seinem roten Sitzmöbel zum Gespräch.
Am Mathematikunterricht in Deutschland hat die Psychologin einiges auszusetzen. Statt auf Verstehen und Anschauung, auf Irrtum und Lernen zu setzen, gehe es „um geistiges Bodenturnen zur allgemeinen Ertüchtigung“ kritisierte sie in einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“. Viel zu schnell sei Faktenwissen gefragt, das Stern „träges Wissen“ nennt: einzelne Wissenskomponenten, die sich im Kopf des Schülers nicht zu einem Ganzen zusammensetzen.
Wie wichtig die Art und Weise ist, wie Lehrer ihre Schüler an Wissen heranführen, hat Stern gemeinsam mit ihrem Schweizer Kollegen Fritz Staub studiert. Fazit: Schüler, die von ihrem Lehreraufs korrekte Anwenden und Wiedergeben des Gelernten getrimmt worden waren, schnitten schlechter ab als Altersgenossen, denen konstruktives Denken beim Lösen mathematischer Probleme als Werkzeug mitgegeben wurde.
Stern fordert die Abkehr von der sogenannten „Osterhasenpädagogik“: Die Schüler sollen nicht herausfinden müssen, was der Lehrer versteckt – also, was er gemeint – hat. Sondern die Lehrer sollten herausbekommen, was der Schüler gedacht haben könnte.
Giessen, 08. Juni 2007
Mai 2012
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