GIESSEN (mip/r). Die Ausstellung in der Giessener Universitätsbibliothek präsentiert und dokumentiert erstmals, in welchem Ausmaß Studenten, Universitätsangestellte und Professoren bis hin zu deren Ehefrauen und Töchtern im Schatten des Universitätsbetriebes ihr poetisches Talent entfalteten und sich auf dem literarischen Markt behaupteten.
Was für die Gründungsväter der Giessener Universität noch selbstverständlich war, dass nämlich die wissenschaftliche Forschung und Lehre mit der Beherrschung von poetischen und rhetorischen Fähigkeiten eng verknüpft war, ist die Ursache dafür, dass die Begriffe Universität und Musensitz lange Zeit nahezu identisch benutzt wurden. Spätestens mit Beginn der Ausdifferenzierung der Fächer und des wissenschaftlichen Spezialistentums im 19. Jahrhundert hat dieser Konnex aber merklich an Bedeutung verloren. Literarisch-belletristische Betätigung zählte seitdem nicht mehr zu den herausragenden Eigenschaften von Hochschulmitgliedern und wurde im individuellen Persönlichkeits-Profil vielfach als eher nachteilig verortet.
Dennoch gibt es sie, die belletristischen Professoren, poetischen Studenten und schriftstellernden Universitätsangestellten, die eine vielfältige und facettenreiche literarische Produktion entfalteten. Die Bandbreite der Autoren erstreckt sich von Gottfried Arnold bis Tim Staffel, von Johann Konrad Dippel bis Moritz Rinke, von Friderike Kretzen bis Mattias Beltz, und schließt Dichterpersönlichkeiten wie Johann Heinrich Merck, Georg Büchner, Ludwig Börne, Karl Wolfskehl, Kasimir Edschmid, Henry Benrath und Fritz Usinger ein. Die Installation im Treppenhaus der Universitätsbibliothek präsentiert vierzig Autorinnen und Autoren in einzelnen Porträts und ruft damit auf eine (buchstäblich) plakative Art die literarische Seite der Universitätsgeschichte und ihre Akteure ins Gedächtnis.
Für die als eher nüchtern geltende Giessener Universität lassen sich in den letzten vierhundert Jahren jedoch immerhin rund zweihundert Dichter, Dramatiker und Prosaschriftsteller namhaft machen, die die literarische Kultur der Universitätsstadt Gießen prägten. Von ihnen erlangte ein nicht unbeträchtlicher Teil auch überregionale Bedeutung, manch einer sogar Weltruhm. Einen detaillierten Einblick in die gesamte Bandbreite des literarischen Schaffens in Lahnathen wird die Publikation zur Ausstellung gewähren, die im November, zum Abschluss der Ausstellung in der Buchreihe "Berichte und Arbeiten aus der Universitätsbibliothek und dem Universitätsarchiv Giessen" erscheinen wird.
Ausstellungseröffnung:
Donnerstag, den 5. Juli 2007, um 19 Uhr im Foyer der Universitätsbibliothek
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Begrüßung: Ltd. Bibliotheksdirektor Dr. Peter Reuter
Einführung und Konzept der Ausstellung: Dr. Rolf Haaser
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Lesung mit Jazz: "Phönix voran!" Hommage an Peter Rühmkorf mit Knut Eisold und JHB Trio (Andreas Jamin, Peter Herrmann und Joe Bonica)
Dauer der Ausstellung: 05. Juli – 30. November 2007
Ort: Treppenhaus der Universitätsbibliothek Giessen, Otto-Behaghel-Straße 8
Öffnungszeiten: Montag-Sonntag, 8:30-21:00 Uhr (außer an Feiertagen)
Giessen, 27. Juni 2007
Mai 2012
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