
Kurt Hentrich (li.), Gerhard Lemp und Karl Brückel
GIESSEN (fsy). Die drei älteren Herren haben sich einiges zu erzählen und stoßen gemeinsam mit einem Gläschen an. Und es fällt direkt auf, wie viel Energie und Lebensfreude gerade die ältesten Teilnehmer in der geladenen Runde der ehemaligen Landräte, Kreistagsvorsitzenden und Kreispolitikern ausstrahlen.
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Zwar ist die Stimmung bei den jüngeren SPD Vertretern am heutigen Vormittag etwas gedrückt und angespannt, denn ein paar Stunden zuvor hatten sie aus der Presse erfahren, dass die bürgerlichen Parteien von CDU, FW und FDP vorhaben eine Koalition für die neue Legislaturperiode 2006 einzugehen. Und damit wird die SPD im Landkreis Giessen in die Opposition geschickt.
Bei den älteren Teilnehmern wie Gerhard Lemp, der dem Kreistag und Kreisausschuss über 40 Jahre angehörte und in den 60ger Jahren zwei Legislaturperioden Vorsitzender des Kreistages war; und Kurt Hentrich aus Laubach und dem Ehrenbürgermeister von Watzenborn-Steinberg (Pohlheim), Karl Brückel ist davon nichts zu spüren.

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Gerhard Lemp erzählt
Alle drei haben längst das achte Lebensjahrzehnt überschritten. Im Gespräch mit ihnen spürt man aber sofort, dass es sich hier um „kommunalpolitische Urgesteine“ handelt, die stolz darauf sein können, dass sie sich über viele Jahre für das Gemeinwesen engagiert haben.

Mit sehr wachen Augen wird sich an die längst vergangenen Zeiten erinnert und darüber in interessanten Erzählungen berichtet. Und das heutige kommunalpolitische Geschehen wird mit kritischen Anmerkungen versehen. Alle sprechen aus einer gelebten politischen Erfahrung, die mit den eigenen Erlebnissen in der Zeit der Weimarer Republik begann.

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Geladen hatte der amtierende Landrat Willi Marx und der Anlass war der 60. Jahrestag der ersten Kreistagssitzung am 28. April 1946.

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Und gekommen waren einige der ehemaligen Landräte und Kreistagsvorsitzenden und weitere kommunalpolitische Urgesteine, die über Jahrzehnte in den Parlamenten diskutiert, gestritten, entschieden und gewirkt hatten.


Der pensionierte Politikprofessor und Vorsitzende des letzten Kreistages (2001 – 2006) Franz Neumann hielt ein Referat über die Entstehung und Veränderungen der kommunalen Selbstverwaltungsbereiche im Spannungsfeld zwischen Hessischer Verfassung und Grundgesetz.

Prof. Neumann hob die grundsätzliche Bedeutung der institutionellen Grundrechtsfähigkeit in der rechtsstaatlichen Demokratie, das allgemeine Wahlrecht und die besondere Rolle der Parteien in der parteienstaatlichen Demokratie hervor und betonte die aktuelle Bedeutung der politischen Bildung, die kaum mehr eine genügende Berücksichtung im politischen Tagesgeschäft und Alltag findet.
Die „augenfälligste Änderung des Kommunalrechts“ bewirkte das neu geschaffene kombinierte Listen- und Personenwahlverfahren. Es garantiert den Wählern und damit als Gesamtheit dem Volk als Souverän, das im Gegensatz zu den gewählten Vertretern und Parteien niemandem gegenüber Rechenschaft schuldig ist, neue Einflussmöglichkeiten im Konstitutionsprozess kommunaler Demokratie.
Das neue Wahlrecht ermöglicht dem Souverän mehr kommunale Demokratie auszuüben und erlaubt es über die freie und direkte Entscheidung Einfluss auf die Wahlvorschläge der Parteien zu nehmen, die in den angewendeten Wahlverfahren den angemessen Ausdruck finden und mit den Möglichkeiten des Kumulierens und Panaschierens ausgeübt werden.
Das Wahlverfahren ermöglicht es, dass eine höhere Partizipation an direkten Entscheidungen im politischen Willensbildungsprozess gewährleistet ist und gleichzeitig den Parteien ihre formal garantierte Sonderstellung nach dem Grundgesetz erhalten bleibt.
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Dr. Georg Maraun, der am 25. Januar 1961 zum Landrat gewählt wurde und damals im Jahr 1961 der an Lebensjahren jüngste Landrat in Hessen überhaupt. Seine Amtszeit war vom 07. April 1961 bis zum 04. Mai 1967.





Februar 2012
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