Kunststation Kleinsassen 18. August 2007 mit Maike Hild und Frank Rühl

(Foto: Frank Sygusch)
KLEINSASSEN. In der Kunststation Kleinsassen fand am vergangenen Samstag eine Performance der Malerin Barbara Heinisch statt. Der kleine Ort Kleinsassen liegt in der hessischen Rhön, unweit von Fulda, geborgen in einer „lieblichen Landschaft“ von lang gezogenen und gebogenen Landstrichen mit sanften Hügeln und weiten grünen Wiesen und Tälern. Kleinsassen, ein Künstlerdorf, das seit mehr als 30 Jahren durch seine hohe Dichte an hochkarätigen Kunstevents und –ausstellungen internationale Aufmerksamkeit erlangt hat.
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Die Malaktion von Barbara Heinisch ist ein kommunikativer Prozess, ein Ereignis und ein Ausdruck reflektierter Expressivität auf der Suche nach dem Dialog. Im Schaffensprozess entsteht Raum für Spontanität und die Künstlerin fühlt und malt mit ihrem ganzen Körper. Zaghaft betasten die Fingerkuppen die Leinwand und die geöffnete Hand sucht die Spannung des angespannten Tuches, das mit jedem Moment mehr Farbe, Rhythmus und Tiefe aufnimmt, bis Phönix aus der Asche steigen wird.

(Foto: Frank Sygusch)
Die Sprache von Barbara Heinisch sind die Farben, die aus der Bewegung atmen und der Malerei einen Weg in eine unendliche Dimensionalität eröffnet. Und die Farben und Farbformen in ihren Bildern haben das Vermögen zu überraschen; die Malbewegungen im Moment des Ausdrucks verändern das Bild aus der eigenen wahrgenommenen Körperintensität. Das Gegenüber wird geachtet und der Körper des Anderen will permanent portraitiert und mit einbezogen sein auf dem Weg in eine tiefe Dimension der Wahrnehmungsebenen.

Die Malerei von Barbara Heinisch führt vor. Ihre Kunst formt durch die Macht der Farben in einer Sprache voller Dynamik im Kontakt mit dem Licht und dem Schatten. Die Farben im Wechselspiel mit dem Licht und den Schatten geraten dabei in rotierende Bewegungen und offenbaren ihren eigenen Rhythmus. In ihrer expressiven Malaktion entsteht Bewegung aus dem Schattenbild des Tanzes und der wilde Pinselstrich folgt der tonalen Struktur der Musik und sucht den eigenen Körper zurückzuführen auf das, was besteht und berührt damit das eigene Gesicht und den anderen. Die linke Hand der Künstlerin malt mit feinen und kräftigen Strichen aus der natürlichen physiologischen Rotation heraus, um die Bewegung aus der Schulter impulsiv auszuführen. Anschließend streichelt die rechte Hand wild und zärtlich die Leinwand und fühlt das Zeichen, das aus dem Klang entsteht, um die Bildgestaltung zu formen, das aus der Begegnung mit dem Gegenüber im Dialog entstand.

Der Musiker Frank Rühl (Foto: Frank Sygusch)
Barbara Heinisch kontaktiert in ihrer Malaktion die Leinwand als lebendige Haut und als Symbol, das sich ereignet und es entsteht eine Kommunikation über das noch nicht Gewordene. In der Begegnung mit Ton, Klang und Rhythmus in der Bewegung entwickelt sich auch Ekstase im Wissen, dass der Einzelne alleine nicht sein kann.

Die Bewegungen der Tänzerin (Maike Hild) werden von der Malerin (Barbara Heinisch) in einer gegenwärtigen Inszenierung in Farbe geborgen und gesetzt. Dabei entspricht die Bildgröße dem Körper des Gegenüber, der den Klang der improvisierten Musik vom Musiker (Frank Rühl) erzeugend in sich selbst aufnimmt und als farbiges Schattenbild auf die Leinwand zurückwirft. Das passiert intuitiv und analytisch zugleich; anregend, originell, entfesselnd, erlösend und so differenziert, dass es kaum mehr einen Raumspalt ergibt zwischen Gestaltung und Ausdruckskraft und Inhalt und Form.

In der Malerei von Barbara Heinisch erlebt der Tanz, als die natürliche Form der Kunst, die farbige Tonalität und Intensität mit durchschlagenden Pinselstrichen; und es bleibt keine impulsive Lebensangst mehr übrig, weil sich Aspekte des Seins erfüllen und einlösen, entlang der Vorführung. Gestisch greift die malende Hand die leidenschaftlichen Themen des Menschseins auf und die farbige Intensität erfüllt die Rückseite der lebendigen Leinwand, wenn der Riss der Leidenschaft sich offenbart, und das Selbst über den Austausch mit der Musik die Heimat entbindet. Dann entgleitet Phönix aus der Asche in die Form der schwarzen unbunten Farbe, aus dem Feuer geboren und in die Ewigkeit geborgen.

Die Tänzerin Maike Hild (Foto: Frank Sygusch)
Die Grenze der Offenheit erfahrend, berührt und führt der Pinselstrich die Farben zurück auf den Ursprung der zaghaften und wilden Entgegnung mit dem Ausbruch aus der Begegnung im Schattenbild und Finsternis, das im Feuer den Paradiesvogel ergreift und in lebendige Farben aus der Leinwand des Lebens verwandelt.
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Barbara Heinisch, 1969 ehemals Schülerin von Beuys in Düsseldorf und später Meisterschülerin von Hödicke in Berlin; bereits 1979 mit dem Kritikerpreis der Kunst ausgezeichnet; erhielt die Künstlerin zahlreiche Stipendien und hatte Professuren im In- und Ausland inne.
Giessen, 23. August 2007 / Text und alle Fotos / Bilder: Frank Sygusch (Giessen-Server.de)
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